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Das lachende Buch
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Die Proppläen.

Lob des baierischen Frauenzimmers.

J. No. neiche, 30 Juni 1916.

Der privilegierte Churfürstliche Hofpoet Matthias Stenhuberstimmte 1779 folgendes Loblied auf die bayerischen Mädchen undFrauen an:

Unter allen schönen Sachen,

Welche Baiern fostbar machen,Stehn die Jungfern Glossar ::: zum Glossareintrag  Jungfern oben an.Wer mit den entfernten SchönenUnfre Töchter will verhöhnen,Ueberschreitet weit die Bahn.

Ich will sie awar nicht vergötternIhnen legt die SchmeichelehIn verliebten Dichter- BlätternKeinen falschen Lobspruch beh.Auch das allerkleinste StädtgenHat zum wenigsten ein Mädgen,Welches liebenswürdig ist.

Und der muß von Herzen lügen,Wenn sein innerlich VergnügenWeder Farb noch Blick versüßt.Doch man muß auch überlegen,Alles ist nicht einerley,

Und daß also dieser wegenOft was auszusetzen sey.

Hände, welchen die Narcissen,Schnee und Kreide weichen müssen,Biehn im Hause Handschuh an.Um die allerliebsten WangenSieht man halbe Monden prangenWie bei jenem Maschel- Mann.Ja aus Liebe zu der Mode,So die Backen weiß bestimmt,Wird die Schönheit oft marode,Wenn sie etwas schädlichs nimmt.Hat das Halßgen zugenommen,Läßt man alte Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiber fommen,Denn man denkt, es ist ein Kropf.Selbst beh kühlen Sommer- TagenBrauchen sie( mit Gunst zu sagen)Giecken- oder Kohlen- Topf.Schönheit ist wohl keine Sünde,Aber gar zu zart zu seyn,Bringt, so viel als ich befinde,In der Wirtschaft wenig ein.

Will man schöne Kinder sehen,So den tollen Schein verschmähen,O so fommt nach München hin.Alles ist da auserlesen,Da ist fein gezwungnes Wesen,Weder Stolz noch Eigensinn.Die sie sehen, die sie kennen,Werden ihre Seltenheit,

Schön, und ungezwungen nennen,Weil sie sonder Gitelfeit.

Wenn sie in die Kirche tretten,Ist das Herze voller Bethen,Voller Andacht das Gesicht.Und es scheinen aller AugenTrost, und Lehren einzufaugen,Die der Kanzel- Redner spricht.Und aus diesen kann man ziehen,Daß in dieser Stadt alleinAlle Jungfern Glossar ::: zum Glossareintrag  Jungfern sich bemühenEngel auf der Welt zu seyn.Sind sie wieder in dem Hause,Bleiben stets sie ihrer KlauseUnd der Wirtschaft zugethan.Eine hat die Keller- Sachen,Diese muß das Essen machen,Jene nimmt sich sonst was an.Und bey so gestalten DingenKann ein Weibgen Glossar ::: zum Glossareintrag  Weibgen in der Welt-Groschen auf viel Thaler bringen,Wenn sie einsten Hochzeit hält.

In der Schnür- Brust bey den SpikenWie gepußte Puppen siten,Ist ein Werk, das man verlacht.Solches schadet einst dem Weibe Glossar ::: zum Glossareintrag  Weibe,

Weil man sich an seinem LeibeZu den grösten Sünder macht.Man ist schön im Haus- Habite,So, daß auch ein MedicusBeh frühmorgender VisiteSich daran ergeben muß.

Pflegen sie den Manns- PersonenIn Gesellschaft beyzuwohnen,Sind fie alles Tadels frey.Nicht zu trotzig, nicht zu höhnisch,Nicht zu flug, und aberwöhnisch,Nicht au feck, und allzu scheu.Dem, wenn er sich will beweiben Glossar ::: zum Glossareintrag  beweiben,Solch ein Kind im Schoße ruht,Dieser muß gesegnet bleiben,Denn er wählt wahrhaftig gut.

Jud Schwed in Kissingen.

Am Rathaus der Stadt Kissingen schaut oben ein bärtigerMannskopf, der sich in den Haaren rauft. als ein Wahrzeichenherab. Das nennen die Einwohner den Jud Schwed und erzählendavon folgende Sage: Im Dreißigjährigen Kriege, als dieSchweden diese ganze Gegend heimsuchten, wurde auch Kissingenvon ihnen belagert und hart bedroht. Doch widerstand die Stadttapfer und wäre vielleicht nicht erobert worden, wenn nicht einJud an ihr zum Verräter geworden wäre. Dieser wußte einen.unbewachten Ausgang durch die Mauer und führte die Feindedort ein. Doch empfing er seinen Lohn und zum Andenken wurdefein Bild, wie er sich aus Reue die Haare ausrauft, am Rat-haus befestigt. Hernach kam es auch, daß man ihn und die Seinennicht mehr bei ihrem wahren Namen, welcher der Vergessenheitüberliefert wurde, rief, sondern Schwed, zur ewigen Erinner-rung; und dieser blieb auch, denn noch heute leben Nachkommenvon ihm zu Kissingen, welche den Namen Schwed führen.

Eine andere Sage von diesem Juden kündet aber gerade dasGegenteil des Vorstehenden. Nach dieser goß der Jude für dieBürger Kugeln, welche die geheimnisvolle Eigenschaft hatten, un-fehlbar au treffen, und den Schweden so tödlich wurden, daß sieabziehen mußten. Darauf wurde des Juden Kopf als Erinne=rungszeichen dankbar am Rathaus angebracht.

Achentaler Dorfnedereien.

Wie anderwärts, so ziehen sich, wie der Volksmund sagt,auch im Achental die Angehörigen verschiedener Orte gegenseitigauf. Als Hinterwäldler ähnlich den Schildaern betrachtet mandort die Schlechinger und Oberwössener, welche infolge ihrer Lagein den hintersten Winkeln des Tales von jedem Kulturfortschrittzuletzt beleckt werden. Die Oberwössener heißt man, wohl wegenihrer ehemaligen an Menschenscheue grenzenden Abgeschlossen=heit und Wildheit, Gams". Bis in die neueste Beit hatten siefeine Kirche, ja nicht einmal eine Kapelle, und es ist daher begreif-lich, wenn die Unterwössener voll Selbstbewußtsein fangen:

Wenn s' z' Wessen herunt läuten,

Nachher naggelt da Turm,

Do werd bal femma

Da Oberwössener Sturm( die stürmischen ungeschliffenen Oberwössener).

Man erzählt sich, daß ein Oberwössener eine Taschenuhrfand, aber nicht fannte; weil sie tickte, hielt er sie für etwasLebendiges und sagte, während er sie an einen Stein schlug:" Wart, i will da dei( n) Tick Tack scho( n) austreib'n". Als danndie Räder heraussprangen, warf er sie weg, erstaunt ausrufend:" Schau, jetzt hat dös Viech Junge a no g'habt".

Die Schlechinger sind mit dem Kosenamen achei"bedacht, dem bekannten oberbayerischen Ausdruck für einen un-gehobelten Menschen. Jemand meinte, weil es dort so vieleFamilien namens Hacher gibt; wenn aber hier wirklich einBusammenhang bestehen sollte, so müßte es schon umgekehrt sein.Zu den Hachein gehören auch die Reitner, von denen der Spruchheißt:

D'Hachei vo Roatn

Ham d' Hosen voll Schoatn.

Wahrscheinlich soll damit auf ihren unbeholfenen Gang hin-gewiesen sein. Die Schlechinger führen auch noch den Spik-namen: Gerstengrana", was soviel als Spreu, wertlose Warebedeuten soll. Wie der Volkswiz heute noch tätig ist, zeigt dieGeschichte von dem ersten Automobil, welches nach Schlechingfam. Die Leute, welche auf dem Felde gerade Heu arbeiteten,liefen zusammen und sagten zu einander erschrocken: Schautnur, jetzt ist in Marquartstein d' Lokomotiv ausfemma." Wiedaraus zu ersehen ist, hat der Volkswit dem Schlechinger Winflbesonders arg mitgespielt, was aber sicher weniger auf Intelli-