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Abhandlung über den Ulenspiegel.
verübte. Er war anfänglich Schmidt, treibt auch andere Ge-werbe, führt manche Wirthe, Handwerker, alte Frauen an, häu-fig durch absichtlichen Misverstand ihrer Worte. Sein Tod wirdum's Jahr 1566 gesetzt. Häufig wird sein Gönner Herr Eusta-chius von Schliven, Hoevetmann auf Trebbin und Zassen, genannt.Ein Edelmann mit diesem Vornamen, aus der jüngeren branden-burgischen Linie der Herren von Schlieffen erscheint allerdingsum diese Zeit in der Geschichte dieses Geschlechtes. Doch wirddessen Gemahlin nicht, wie in jenem Buche, Catharina, sondernMaria genannt. Die beiden letzten Capitel erzählen von HansClawerts Gedichten, worin ein treffliches Vorbild der Erzählun-gen des Herrn von Münchhausen sich befindet.
§. 10. Dr. Thomas Murner,
der Verfasser des Ulenspiegel.
Wenn es als erwiesen angesehen werden darf, dass keineder uns bekannten Ausgaben des Ulenspiegels älter ist, als dieStrassburger vom J. 1519, und nur etwa ein uns unbekannterfrüherer hochdeutscher Abdruck derselben bald nach dem in derVorrede benanntem Jahre 1500 da gewesen sein kann, so möch-ten wir doch nicht bezweifeln, dass es schon früher eine imBraunschweigischen entstandene Sammlung seiner Schwänke inniedersächsischer Sprache gab, welche bereits 1483 gedrucktoder doch niedergeschrieben ist. Man wird nie den Strassbur-ger Herausgeber für den Erfinder des grösseren Theiles jenerBraunschweigischen Historien halten dürfen. Wenn daher derbekannte Franciscaner Thomas Murner von einer Seite fürden Verfasser der ersten hochdeutschen Ausgabe des Ulenspiegelerklärt, von anderer Seite diese Angabe aber völlig in Abredegestellt ist, so beruhen beide Ansichten auf einem Misverstande,welcher bei dem Interesse, das jene Ausgabe durch ihre grös-sere Richtigkeit und manche eigenthümliche Züge in der Dar-stellung erweckt, nähere Untersuchung verdient.
Wir haben oben schon ausgeführt, dass ein niedersächsi-sches Original des Ulenspiegel sich nur auf einen kleinen Theildes vorliegenden Buches beschränkt haben dürfe, nämlich auf