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Dr. Thomas Murners Ulenspiegel
Entstehung
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Ueber die Quellen der Erweiterungen des Buches.

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Aechte Eulenspiegelstreiche, wenn sie gleich nicht vom Tillerzählt werden, von einem Diener, welcher die Befehle seinesHerrn zu wörtlich befolgte, enthält Morlini's Novelle 73:" De fa-mulo qui cum domino fecit capitula", wie deren Vergleichungmit Straparola:" Piacevoli notti", 13, 7 ergiebt.

VII. H. Bebel.

Unter den Sammlungen der Schwänke des Mittelalters sinddie des Heinrich Bebel aus Justingen in Schwaben, seit 1497Professor zu Tübingen( 1514), sehr verbreitet gewesen. Dieerste Ausgabe seiner Opuscula nova, welche seine Facetiae ent-halten, ist im Jahre 1508 zu Strassburg bei demselben JohannesGrüninger, welcher eilf Jahre später den Ulenspiegel druckte,erschienen.') Dass Murner dieses Buch kannte, ist nicht zu be-zweifeln, und daher wohl anzunehmen, dass es in einigen Fällenals dessen unmittelbare Quelle zu betrachten ist. Die schon obenbei Gonella erwähnte Erzählung von den Prophetenbeeren hatauch Bebel ähnlich wie Poggio, doch steht ihm in Angabe desOrts und anderer Umstände Murner viel näher. S. oben S. 250.

Mehrere Erzählungen Bebels finden sich in den späterenAusgaben Hist. 89 und Hist. 98 des Ulenspiegels. Doch als Quelleist er uns besonders erschienen für Ulenspiegels Hist. 69 undHist. 81, was deshalb zuerst uns überraschte, weil beide Ge-schichten zu den eigenthümlich widerlichen Streichen des Kneit-doucillinger Bauernsohnes gehörten. uboj izi

mab Die erste der obengedachten Geschichten, welche Bebel" Egre-gium Facinus" betitelt, und die von der unsauberen Behandlung ei-ner Badestube zu Freiburg handelt, ist von Murner in seiner 69.Historie nach Hannover verlegt, und nicht nur nach seiner Weisesehr erweitert, sondern auch wesentlich verändert, da der tückischeBauernsohn nicht einmal über die Vernachlässigung zu klagenhatte, über welche der Unfläthige zu Freiburg sich beschwerenbaia bibends esdonerit asaq sib

1. Margarite facetiarum. Argent. 1509. 4. ibid. 1514. 4. Vergl. Brunet1. 1. u. v. d. Hagen Narrenbuch S. 433. Von dem Werthe dieses Buchesfür die Characteristik des damaligen Deutschlands s. K. Hagen Deutschlandsliterarische und religiöse Verhältnisse im Reformations- Zeitalter. Th. I. S 381bis 408.