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Abhandlung über den Ulenspiegel.
den Erzählungen, welche sich erst in der zweiten uns bekann-ten Ausgabe unseres Volksbuches finden, und für welche Pauli'sSchimpff und Ernst die unmittelbare Quelle gewesen sein dürfte,sind gleichfalls mehrere zuerst im Poggio nachzuweisen: Hist.90, wie Ulenspiegel dem Pferdehändler den halben Kaufpreis con-tractmässig schuldig bleibt, welche jedoch, wie oben bemerkt,aus den älteren Cento Novelle antiche entlehnt sein kann; Hist.97, von dem Pfarrer, welcher Ulenspiegel mit einer Beschuldi-gung gegen seine angebliche Frau verhöhnt.
V. Cento Novelle antiche.
Diese alte Sammlung italienischer Novellen, gewöhnlich ElNovellino genannt, stammt aus dem Ende des dreizehnten Jahr-hunderts, doch ist kein datirter Druck älter als 1525, durchGirolamo Benedetti zu Bologna, bekannt. Dieser, als dervorzüglichste, ist zu Mailand 1825 wiederholt. Vergl. das. dieVorrede u. F. Liebrecht, Uebersetzung von J. Dunlop's Ge-schichte der Prosadichtungen. Aus ihnen ist die Novelle Nr. 9zur Historie 80 und die Novelle Nr. 10 zu der Historie 90 derErfurter Ausgabe schon bemerkt. Bei beiden ist es jedoch nichtsehr wahrscheinlich, dass die italienischen Novellen dem deutschenVerfasser unmittelbar vorlagen, wenn gleich nicht unmöglich.Denn das unter dem Namen" Centinovella" gedruckte Werk ist,wie§. 2, 1 bemerkt, der Decamerone des Boccaz. Ein neuererDruck findet sich hinter Pauli's Schimpff und Ernst..." Hiezuseint kommen die hundert neueren Historien, sonst Cento No-velle genannt u. s. w.gift leggi
91d Jobo dole VI. Morlini.
STAus den Novellen des Morlini haben wir die Uebereinstim-mung mit Ulenspiegels Hist. 2 bemerkt. Dieses sehr seltne, zuNeapel 1520 gedruckte Buch ist zu Paris 1799 in wenigen Exem-plaren wieder abgedruckt, doch haben wir weder den alten nochden neuen Druck zu Gesicht bekommen. Unsere Kenntniss da-von beschränkt sich auf dasjenige, was Herr F. Liebrecht( S.oben S. 228) aus dem Exemplare des Herrn Dr. Spieker inBerlin mitgetheilt hat. heiwasiswis edilib 19b at sasib