Druckschrift 
Dr. Thomas Murners Ulenspiegel
Entstehung
Seite
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Ueber die Quellen der Erweiterungen des Buches.

Die nechst in Reimen seind verfast,

Ist keiner, der solch Bücher hasst,

Er sey dann viel ein grösser Geck,

Dann der so in den Büchern steckt.

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Die neueste Bearbeitung des Pfaffen vom Kalenberg, welchemjedoch ein Abdruck des Textes nach den ältesten Ausgaben zuwünschen bleibt, erschien unter dem Titel:" Der geistlicheEulenspiegel oder der Pfarrer vom Kalenberg nebst Schwänkeneiniger anderen lustigen Gesellen." Leipzig. 1818.

III. Vom Gonella.

Einige der dem Ulenspiegel von Murner zugeschriebenenSchwänke lassen sich auf Gonella, den Hofnarren des MarkgrafenNicolaus von Este(+1441) und seines Sohnes Borso, Herzoges vonFerrara,(+1471) zurückführen, und zwar sind ihrer so mannigfal-tige, dass wenn nicht ein besonders gedruckter oder handschrift-licher Bericht über Gonella dem Murner vorlag, er auf die zerstreuetgefundenen Nachrichten über diesen Collegen Ulenspiegels besondersaufmerksam gewesen sein muss. Eine grössere Sammlung sei-ner Schwänke scheint durchaus unbekannt. Eine grosse Selten-heit sind die Facecie del Gonella compofte per maeftro Fran-cefco dicto maeftro Raynoldo da Mantua. Bologna per Juftinianoda Rubiera 1506. ein halber Bogen in 4. mit zwei Holz-schnitten, auf welchen in 29 achtzeiligen Stanzen verschiedeneSchwänke des Gonella berichtet werden. Wir haben wegen dergeistigen Verbindung mit dem Ulenspiegel, und wegen der gros-sen Seltenheit des Druckes, welcher nirgends angeführt zu seinscheint, denselben in der Anlage unseres Buches mitgetheilt.Neuere Bearbeitungen dieser versificirten Erzählungen scheinendie in dem Katalog der Bibliothek von Libri, Paris 1847 Nr.1530 und 1531 angeführten Drucke zu sein: Le buffonerie delGonella( in ottave rime), cosa piacevole, e da ridere, di nuovoaggiuntovi una bella burla, che egli fece alla duchessa diFerrara. Firenze( Senz' anno), in 4 de 4 ff. à 2 colon.Le buffonerie del Gonella. Firenze, all' insegna della testug-gine, 1615 in 4. de 4 ff. à 2 colon. Libri setzt denersten dieser Drucke in die erste Hälfte des sechszehnten