Ueber die Quellen der Erweiterungen des Buches.
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Eulenspiegel unter dessen Quellen den Nithart ohne Grundaufführt, und ausser anderen kleinen Irrthümern den NamenEulenspiegel dem Till abspricht, weil derselbe auf einerangeblich im 16. Jahrhunderte ständigen Redensart') beruhe:" Der Mensch erkenne seine Fehler eben so wenig, wie einAffe oder eine Eule, die in den Spiegel sehen, ihre eigeneHässlichkeit erkennen". Der Spruch findet jedoch in der Ge-schichte unseres Ulenspiegel gar keine Anwendung. Am wenig-sten kann aber dieser, wie es von Vilmar geschieht, mit einemim 16. Jahrhunderte im südlichen Deutschland vorkommendenBochart identificirt werden. Sebastian Frank( Güldin Arch1538 fol., Bl. 267), welcher als Beleg angeführt wird, sagt nur,dass der Christ im Unglücke des Glückes gedenke:" weyl nun einChrist auff das zukünftig sihet, dass noch nit vor augen er-scheint, und in der hoffnung lebt, fo trawret er gewifs, wie Bo-chart, jhener narr, wann es schon ist ob dem zukunftigenvbel, das gewifz nit aufz bleibt, wie nach dem fommer der win-ter, nach fchonem wetter der regen etc." Es ist hier also er-sichtlich nur von dem verständigen Christen die Rede und liegtalso in dem Vergleich mit Bochart kein Tadel, der jedenfallsals weiser Narr, aber nicht, wie Ulenspiegel, als ein listiger undtückischer Gesell erscheint.
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1. Vom Pfaffen Amis.
Der Pfaffe Amis, welchen unsere Vorrede meint, ist ohneZweifel das dem Strickaere zugeschriebene gereimte Gedicht, des-sen Alter durch eine Pergamenthandschrift, welche der Zeit zwi-schen dem dreizehnten und vierzehnten Jahrhunderte angehört,beglaubigt wird. Die Erzählungen scheinen jedoch älteren und frem-den Ursprungs. Der Pfaffe Amis selbst wird für einen Engländerausgegeben, womit sein normannischer Name übereinstimmt 2).Es heisst dort Vers 44-47:
Frankfurt a. M.
1. Ich finde sie in Seb. Francken Sprichwörter etc.1541 Blatt 122. 2. S. den Abdruck in G. F. Benecke Beiträgen S. 501.Vergl. Gervinus Geschichte der deutschen Dichtung. Th. II. S. 299. undbesonders J. M. Kemble's Salomon and Saturnus, London 1848. S. 302-322.
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