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Abhandlung über den Ulenspiegel.
Der von uns nachweisbaren Drucke in französischer Sprachesind etwa dreissig an der Zahl.
IV. In England.
Um dem Ulenspiegel seinen Platz in der Weltliteratur an-zuweisen, welche, sofern sie uns die schnelle und allgemeineVerbreitung der literarischen Erzeugnisse einer Nation in denmeisten Ländern Europa's bezeichnen soll, mit den Volksbüchernbegann, müssen wir uns auch nach England wenden. Deutsche sa-tyrische Werke und Volksbücher finden wir in England bisweilenschon früh übersetzt, wenn wir gleich nicht immer angeben kön-nen, ob durch Vermittelung lateinischer oder französischer Texte.Des Sebastian Brant 1494 erschienenes Narrenschiff wurde bald vonAlexander Barclay in seine Muttersprache übertragen und 1509 zu-erst, und wiederum 1570 gedruckt. Dass Reinecke Fuchs, Griseldis'),die Aimonskinder( 1504), Kaiser Octavian 2), des Aeneas Sylvius Eu-rialus und Lucretia( 1560) 3), Bruder Rausch( 1568)') früh und wie-derholt gedruckt sind, bedarf hier keiner Belege. Von DedekindsGrobianus et Grobiana vom J. 1549 sind zwei englische Ueber-setzungen, doch erst von den Jahren 1605 und 1739 bekannt.Unserem Gegenstande liegt näher, dass, wenn man gleich den aufenglischen Ursprung hindeutenden Pfaffen Amis weder im Originalenoch in einer Uebertragung des späteren Mittelalters bisher ge-funden hat, doch der Pfaff von Kalenberg in englische Spracheübersetzt und gedruckt ist unter dem Titel: the parson of Ka-lenborow. Man kennt freilich nur ein Fragment dieses Buches,welches in der Bibliothek des bekannten englischen Alterthums-
1. In den Publications der Percy Society Vol. III. ist die prosaische Er-zählung von der Griseldis nebst Balladen abgedruckt. Doch sind ältere jetztunbekannte Drucke v. J. 1565 flgd. verzeichnet in den Registers of the Companyof Stationers. Vol. I. p. 114 flgd. 2. Die Gestes des Octavian und des Ysam-bras werden mit den altenglischen Volksbüchern Bewis von Hampton und Guyvon Warwick bereits in dem vor dem Jahre 1384 geschriebenen" Mirrour ofLife" des William Nassyngton aufgeführt. S. Halliwell in der Vorrede zuseiner Ausgabe des: Romance of the Emperor Octavian in den Percy SocietyPublications. Vol. XIV. 3. Halliwell in Shakespeare Society papers. Vol.IV. p. 25. 4. Register of the Company of Stationers. Vol. I. p. 199.
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