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Verbreitung in Deutschland. A
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tionale Geschichtsforschung den Volksbüchern ihre Aufmerksam-keit zugewandt und die historische Bedeutung des ReineckeFuchs und Eulenspiegel in ein richtiges Licht gestellt.') Dochist es noch wenig erörtert, wie ein solches Buch entstand, wiees sich verbreitete und wie es so lange ein Liebling verschiedenerNationen geblieben ist? Der Verfasser ist in Zweifel gezogen, nochschwieriger ist die Frage, ob Ulenspiegel denn wirklich gelebt habeoder ob er nur als mythische Person zu betrachten sei. WelcheErzählungen nun gar seiner Person oder nur der Erfindung ange-hören, ist eine kaum und erst neuerlich aufgeworfene Frage. Dieseund verwandte Aufgaben gelöst zu sehen verlangt nicht nur dergelehrte Literarhistoriker, sondern jeder Freund unseres Volkesund seiner Literatur. In welchem Sinne wir diese umfangreichenFragen zu lösen versuchten, wird ein Blick auf die vorstehendeBibliographie des Ulenspiegel und die dem Abdrucke des Textesbeigegebenen Erläuterungen gezeigt haben; es wird jetzt möglichsein, die einzelnen Erörterungen der obigen Fragen kürzer zu-sammen zu fassen.
§. 2. Von der Verbreitung des Volksbuchesin verschiedenen Ländern. Jei fogbig
I. In Deutschland.
Da selbst diejenigen, welche über das Grab des Ulenspiegelund den Schauplatz mancher seiner Thaten im Widerspruchesind, alle, mit Ausnahme eines neueren Belgiers, seine Geburt undseinen gewöhnlichen Aufenthalt nach Niedersachsen verlegen, sodürften wir die ersten Aufzeichnungen seiner Schwänke und denersten Druck derselben in niedersächsischer Sprache suchen.Weisen doch die genaue Ortskenntniss des Verfassers und dieAngaben der Titel so vieler Ausgaben seit der Cölner v. J. 1539auf jene hin. Es ist jedoch so wenig wie eine andere Hand-
( 1836, S. 337; 1853, S. 297); Vilmar's deutsche Nationalliteratur S. 377;Ettmüller, deutsche Literaturgeschichte S. 293; Gödicke, Geschichtedeutscher Dichtung Bd. I. S. 146.Jadiesb
b 1. L. Ranke, Deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation. Bd. I.S. 256.