VORWORT.
Ding
Das Bestreben, die Denkmäler der Geschichte und desRechtes des niedersächsischen Stammes, besonders die in dessenMundart geschriebenen, zu sammeln, hat mich dazu geführt,auch den Ueberbleibseln niedersächsischer Dichtungen eifrig nach-zuspüren. Zu letzteren gehörte auch das Buch vom Ulenspiegel,dessen Bedeutung für die Sittengeschichte jedenfalls nicht ver-kannt werden konnte.
Es gelang mir jedoch ebenso wenig, wie das plattdeutsche Ori-ginal des Stortebekerliedes, dessen Heimath sich noch in den Rei-men des oberdeutschen Gewandes zu erkennen giebt, eine platt-deutsche Niederzeichnung über irgend einen Theil des hochdeutschenUlenspiegel aufzufinden. Dagegen hatte ich das Glück, die äl-teste bekannte, 1519 zu Strassburg gedruckte Bearbeitung des-selben durch die Güte des Bibliothekars an der herzoglichenBibliothek zu Gotha, Herrn Hofrath Ukert, zu erhalten, sowie von meinem Freunde, Herrn von Meusebach eine, schonim Jahre 1813 von Jacob Grimm veranstaltete Abschrift. DieAbweichungen, welche diese älteste Ausgabe von allen späterendarbot, schienen mir für die Geschichte dieses beliebtesten allerVolksbücher nähere Beachtung zu verdienen, aus welcher sichbald eine Nachforschung über die älteren Quellen, welche füreinen bedeutenden Theil des Buches noch zu erkennen sind,entsponnen und zu vielfachen verwandten Untersuchungen geführt.hat. Es belohnten sich diese Nachforschungen durch mancheinteressante literarhistorische Resultate, um deren Mittheilungich von verehrten Freunden so häufig und dringend angegangenbin, dass ich den Widerwillen beseitigte, welchen die Beschäfti-