Druckschrift 
Heinrich Bebels Schwänke. zum l. Male in vollst. Übertr. hrsg. von Albert Wesselski
Entstehung
Seite
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bei einer Gasterei waren, an Leonhard ein Brief von einem Stazionierervon St. Velten, der also lautet:

Ego petitor sancte Valentini compaream in ecclesiavestra dominica die in vesperis. Idio dignitatem, ac venera-bilitatem vestram rogo, quatinus in cancellis populo promul-gare volueritis, vt comparere voluerint subditi vestri obhonorem indulgentiarum et reliquiae, quia etiam praesen-tantur vobis reliquia sancte Valentini. Vobis etiam constat,quod ita in vsu habemus.

Petitior sancte Valentini.

Als ich diesen Brief, auf den Buchstaben also, als Du ihn hiersiehst, gelesen hátt, saget ich: O, was schlechte Grammatik hat derPfaff in seiner Meierei! Ich glaub, es sei bei ihm Prisciano feinRecht verblieben; dann er schreibet sancte Valentine, compareamstatt comparebo, idio ftatt ideo, reliquiae ſtatt reliquiarum undreliquia u. s. w."

179. Vom heiligen Niklasen und von einem, so ihm ein Pferdgelobet.

Die Histori wird mir für wahr berichtet, in Bayern ſei ein Edel-

mann mit einem Knecht auf Räuberei auszogen, und die Feindehaben sie bis zur Donau verfolget. Als aber der Knecht jenseits derDonau habe ein Kirchlein des heiligen Niklas erblicket, habe er ihmdas Pferd verheißen, wann er unversehrt möcht über die Donauschwimmen; er habe das Pferd ins Wasser zwungen und sei entronnen,der Junker aber habe der Größe der Gefahr wegen ausgeharret, seigefangen worden und habe die letzte Straf erlitten. Wie der Knechtdanach, seines Gelübdes eingedenk, das Pferd in die Kirchen triebenhat, heißt es, er habe dort dem heiligen Niklasen zehn Gülden gebotenfür das Pferd, hab es aber nicht mit Gewalt und auf keinerlei Weiskönnen aus der Kirchen bringen. Da hab er noch zehn zugeleget, eshab aber noch immer nichts genuket. Endlich hab er aus Furcht vorden Verfolgern vierzig geboten, und stracks sei das Pferd herausgangen.

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