Druckschrift 
Heinrich Bebels Schwänke. zum l. Male in vollst. Übertr. hrsg. von Albert Wesselski
Entstehung
Seite
66
Einzelbild herunterladen
 

145. Von eines Fürsten Narren.

inem Kurfürsten in Teutschland ward ein Narr geschenket, der machetgar oft alle Wachsamkeit zu Schanden und entliefe den Händenseiner Hüter. Wie man ihn zuleßt einmal erwischet hått, ward er indes Fürsten Kammer eingeschlossen; als ihn nun seines Bauchs Beschweranfinge zu plagen, er nicht hinaus konnt und auch kein Geschirr nirgendsfande, darein er hätte scheißen können, schieß er in des Herrn Stiefel.Bald danach kame der Fürst, wollt die Stiefel antun und auf die Jagdreiten; wie er aber den Fuß hineingestecket, da waren sie voll Gestanksund Drecks. Fraget er den Narren, wer das getan hått; saget derNarr, er wüßt es nicht, und leugnet, er hátts nicht getan. Daraufder Fürst: Und wer könnts sonst getan haben, denn Du? Ist dochniemand anders da gewesen." Antwort der Narr: Es muß es derZaunkönig da getan haben." War nämlich dort ein Käfig mit einemZaunkönig, der ist das allerkleinst Vögelein; über den hått der Narrgeflagt, er hátt ein so großen Dreck angerichtet.

W

146. Von demselben.

ie derselbig auf ein Zeit an der Saale, so ein weitberühmtesWasser ist bei Teutschlands Geschichtschreibern, einherritte, warder von einem, der auf der andern Seite ritte, gefragt, wo man überden Fluß kommen könnt; antwortet er: Allenthalben wohl." Der glaubetden Worten des Narren, zwang das Pferd ins Wasser, wäre aberschier in der großen Tiefe ertrunken; als er sich endlich doch des Wasserserwehret hått, fraget er den Narren unwillig, warum er ihn betrogenhätte. Saget der Narr: Du Tor und Nichtsnuh, die Enten da sindohne Schaden zu mir herübergeschwommen, so kleine, schwache Tierlein,und Du kannst es nicht mit einem so großen Gaul!"

147. Von demselben.

Als er einmal bei ſeinem Fürſten gehört hátt, es war ein Schloß

ungewinnlich, man müßt es denn durch Hunger bezwingen, gedachteder Narr, wie ers gewinnen wollt, und lag heimlich ungegessen drei

66