die Mönche vor Zeiten hätten wohl und ehrlich gelebet, wären die Edelnund Fürsten dieser Welt auch willig gewesen, Klöster zu erbauen undmit Gut und Besitz reichlich zu begaben. Jetzt aber beabsichtigeten sie,die Klöster zu zerstören und ihre feisten Güter zu genießen und zu ver-zehren; dann sie allein hätten groß Reichtum und lebeten schändlichvon ihm, wie das ja leichtlich geschähe, weil der Überfluß gar seltenMäßigkeit bråchte. Das gedäuchte aber die Fürsten unleidlich, darum, daßdie, so nur vom Gut Christi und der Armen leben, uns sollten gebenein Beispiel der Mäßigkeit. Darauf gab der Mönch frei und beherztzur Antwort:„ Ich widersprich nicht, daß in der ältern und bessernZeit gewesen seind frömmer Mönche, deren Tugend und Geistlichkeitdie Fürsten dieser Welt bewogen hat, sie reichlich zu begaben; sindaber damals auch die Fürsten und Edeln viel mehr geneigt der Religionund frommer gewesen, denn sie heute sind. Wahr ist es, daß dieMönche zu unsern Zeiten und am Ende dieses Säculi viel ärger sind,denn vor Alters; aber das ist ein gemein Fehler aller Orden undStände, daß niemand, er sei arm oder reich, ein Priester oder einLai, einhält die erste Strenge seines Stands. Darum dürft wederIhr Edelleut, noch Euer Stand uns schelten oder den ersten Stein aufden andern werfen. Unweislich ist es, daß Du uns vorwirfst unsernReichtum, dann wir sind gute Haushälter unsers Guts; Ihr aberwollt, nachdem Ihr im Spiel, mit Buhlerei und Prassen das Euervertan habt, auch das unser verzehren. Wer ist nun der Besser?"
134. Ein Schimpf eines Schiffmanns wider ein Trunkenen.
Ein
Trunkener fuhr mit viel andern über den Bodensee; wie er daim Vorderteil des Schiffes schlafend saße, fiel er ins Wasser, unddie Gesellen schrien dem Schiffmann zu, er sollt stillhalten, der Trunkenewår in den See gefallen. Der Schiffmann tät ein Weil, als höreteer nichts, und fuhr mit tauben Ohren immer zu. Da aber endlichalle begehreten, er sollt anhalten und den Trunkenen lassen herausziehen,antwortet er lächerlich also:„ Was Toren seid Ihr! Glaubet Ihr,daß der Mensch im Wasser ersaufe?" Da schrien sie, es wäre schierum sein Leben geschehn, wann man ihm nicht eilends zu Hilf käme;
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