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Heinrich Bebels Schwänke. zum l. Male in vollst. Übertr. hrsg. von Albert Wesselski
Entstehung
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erst gegen Morgen munter. Nun wollt sie ihn ermahnen, das nächtlichWerk zu vollziehen, weil schon der Tag nahe war und ihrer Arbeitein Ziel sezzete, drehet also ein Ringlein am Finger herum und saget: Die Glieder werden kalt und steifer, ich glaub, der Tag sei nahe."Antwortet ihr der ungeschickt Bauer: Ihr saget recht, Herrin, dannich möcht auch gern scheißen", was ihm ein Zeichen war der nahendenMorgenrote.

133. Von den Mönchen und den Edelleuten.

ei einem Pálaten in Ulm verwendet ich mich einsmals für einen

Bei

auf daß er bequemlicher könnte obliegen den Wissenschaften, zu denen erein sonderlich große Lust trug. Antwortet mir der Abt, er wår gelehrtgenug, und beteuert, in einem Mönch wäre das Wissen von arger Gefahr,dann es ihn aufbliese und widerspenstig machte. Ich vermeinet aber,die Rede war zu verwerfen, und saget: Nicht also ist der Zweck derKlöster. Das hätten nicht im Sinn die alten Väter, die nicht minderin Gelehrsamkeit, denn in Heiligkeit erglånzeten, wie man denn klärlichkann ersehn an ihren alten Bibliotheken und an den Büchern, so vonihnen geschrieben sind." Da ich aber nichts ausrichtet mit meinenWorten, schwieg ich, eingedenk der Schriftgelehrten und Pharisåer, diein ihrem Reichtum im Tempel, beim Gottesdienst und bei heiligenGebräuchen die Gebote der guten Sitten hintansezeten, sich nur aufFörmlichkeit beschränketen und sonst ihrer Habgier fröhneten, so daß sieganz Judȧam mit sich ins Verderben zogen. Kame mir auch insGedächtnis ein trefflich schöner Streit, der sich begeben hat zwischeneinem Edelmann und einem Mönch, da wir in Tübingen bei einerZech waren, und uns der Wein lustiger denn billig gemacht hätt. DerEdelmann warfe dem Mönch frei vor, all ihr Heiligkeit, Gelehrsamkeit undMässigkeit hått sich verkehrt in lauter Stolz, Habsucht und Schwelgerei.,, Derhalben", saget er, sollstu Dich, guter Vater, nicht verwundern, daßdie Laien, die Fürsten und die Edelleut die Mönche hassen; dann statt derTugend haben sich schändlich Laster in ihre Kutten geschlichen, und es giltihnen nichts mehr, fromm zu leben, sondern viel zu besitzen." Weil

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