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Heinrich Bebels Schwänke. zum l. Male in vollst. Übertr. hrsg. von Albert Wesselski
Entstehung
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saget mein Henrichmann: So nicht die Sibylla diese Vers lesenmöcht, glaub ich nicht, daß sie einer könnt auslegen ohne offenbar grobFehler wider Vernunft und Fügung der Sprache." Saget ich: Ver-zeihet ihm doch die Sach; jeßunder hat er eben sein Sinn daraufgestellet, mit dem Griechisch Lernen anzufangen, und er grázisfiereternstlich." Saget ein ander fein schimpflich und mit großem Gelächter: Ist er von Größingen? Ich mein, ihm geschehe wie mir; dann jetz-und ist mir das Latein verleidet, ich will auch Griechisch lernen." Istdann Größingen ein Flecken nicht weit von Tübingen, etwan siebenMeilen.

126. Von etlichen Richtern.

Esiner, ſo mir bekannt iſt, hätt ein Streit vor dem Gericht verloren;

saget er zu den Richtern: Jeßund hab ich so oft vor Euch inHändeln gestritten und habs all Zeit verloren; wann etwan Du, Vogt,mein Vater wärest, und die andern Richter allesamt meine Brüder,so hoffete ich auch einmal ein Spruch für mich zu erhalten." So großeKraft und Antrieb, glaubet er, hått Gunst oder Haß nach beiden Seiten.Und ist es auch wahrlich also, daß die Gunst auch bei eim bewährtenMann mit aller Kraft, Segeln und Rudern, wie man dann sagt, denSpruch, ohne daß es ihm bewußt wäre, lindert und bessert, im Gegen-saß aber der Haß nicht anders, denn aufs årgest, urteilt.

V

127. Von eim getauften Juden.

on der Hårt und Halsstarrigkeit der Juden in alten Zeiten sindviel Beweise vorhanden; aber auch jehunder weichen sie seltenab von der Art ihrer Vorfahren, also daß von denen, die etwan denGlauben ihres Volks abschwören und den Christenglauben annehmen,selten ein oder der ander wohl und beständig glaubet. Ist aber dieUrsach, darum ich das sag, die: War einer in dem Flecken Dillingen,der hått den Glauben angenommen; wie er aber in der Weihnachtmußt bei großer Kälten långer Zeit in der Metten stehn, saget er,

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