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Heinrich Bebels Schwänke. zum l. Male in vollst. Übertr. hrsg. von Albert Wesselski
Entstehung
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den Handel bedachte, ein guter Gedanke in den Sinn; er schlug mitseines Dolchs Griff, wie es denn die Schmied machen, wann sie einTruhen mit Någeln beschlagen, den Spiz des Zahns krumm, auf daßer nicht Schaden nähme, wann das Schwein sollt den Hauer heraus-reißen. War das aber die einige Art seiner Rettung.

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115. Ein anders von einem Wolf.

Is er wieder auf ein Zeit durch den Wald ginge, lief ein Wolfwider ihn mit aufgesperretem Rachen, gleich als wollt er ihn ver-schlingen; daß er sich nun der Gefahr entledigete, fuhr er mit der rechtenHand dem Wolf ungestümlich durch den Hals in den Leib, erwischetden Schwanz und kehret den Wolf gar um, wie der Schuster ein Schuh.

116. Von einem Pfaffen, der ein Vogler war.

in Priester war von Waidwerks wegen auf das Feld hinauszogen.Da sahe er hoch in den Lüften ein Reiher fliegen, und er ließe denFalken, so er auf der Hand trug, los. Wie der Falk auf den Reihergestoßen, und sie mit einander herunterfielen, hátt ein Wildschwein, sovon ungefähr an die Stått gelaufen, den Falken samt dem Reiher ver-schlucket. Als das der Priester gewahr ward, lief er hinzu und durchsstach das Schwein mit dem Spieß. Daheim aber, wie er die Sauwollt ausweiden und die Haut mit einem Fleischmesser durchschnittenhått, floge der Falk unversehrt heraus und hielt den Reiher noch indem Schnabel. Schauet, mit was Leckerbißlein dicker Lügen die seltsamSchwänkdichter, der Pfaff und der Schmied, gleich um gleich widereinander streiten.

117. Von demselben.

Derselbe Prieſter ward eines Tags in einem Bad von den Bauern,

die bei ihm saßen, gefraget, ob er nicht wüßt, wohin die Störcheflögen, und von wannen sie wieder herkämen. Stracks erdacht er einüber die Maßen künstliche Lügen und saget: Spißet die Ohren, ich will

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