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Heinrich Bebels Schwänke. zum l. Male in vollst. Übertr. hrsg. von Albert Wesselski
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zu geschehn pflegt. Wie der Bauer einmal sahe, daß der Knecht nurkleine Bißlein nahm, als ob ihm der Brei nicht schmeckete, redet erihn derhalben an mit diesen Worten:, Benzo, wann mir dieserBrei so wohl ziemete als Dir, wie wollt ich ihn gierig und mit vollemMaul hinwegfressen!" Bermeinet, er dürft ihm weiter nicht anstehn,so er kaum vor drei Tagen zu einem Beisitzer von des Dorfs Gericht-stuhl verordnet war worden, gleich als sollt er nicht anders denn nüchternden Bauern ratschlagen von den Marken der Acker, oder glaubet erzum mindest, daß er von dem dicken Mus würde trunken werden.

113. Folgen die dicksten Lügen des Schmieds von Cannstatt.is der Schmied von Cannstatt einmal mit seinem Junker, demer der Zeit dienet, im Winter bei einem Fluß einherritte, saheder Junker unter den Eisschollen ein Fischreuſen treiben; saget er:,, Ei, daß wir diese Reusen hätten, die ohne Zweifel ganz voller Fischsein wird." Antwortet der Schmied, sie wår leichtlich zu überkommen,und sprenget mit freiem Lauf ins Wasser nach der Reusen. Da er-wischet ihn ein Fisch von einer unerhört Größen mit aufgetanemSchlund und verschlucket ihn mit samt dem Pferd. Als nicht langdanach ein Fischer von ungefähr den Fisch hätt gefangen, und manihn auf der Fleischbank zum Verkauf bot und ausweidet, sprange derSchmied frisch und gesund mit seim Gaul heraus und zeiget demEdelmann den neuen Handel an, darin er gewißlich nicht färglich ge-logen hat.

114. Ein anders von einem Wildschwein.

uf ein Zeit begegnet dem Schmied, wie er durch ein Wald zog,ein Wildschwein von einer greulichen Größen mit Hauern, dieein Ellen lang zum Maul herausrecketen; weil es ungestum wider ihnanliefe, versteckete er sich hinter ein alten Eichbaum. Das grausamSchwein aber ließ nicht vom Schmied, sondern stieß sein Hauer durchden vieljährig Baum, so gar, daß der Spitz am andern Ort heraussahe.Da der Schmied dessen gewahr ward, kam ihm, der sein Heil und

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