94. Ein anders.
ie müssige Leut sagen, geschehn diese Ding gar selten und sind
Wie
ohne Lieb, ein Jahrmarkt ohne Dieb, ein alter Jud ohne Reichtum,ein alter Stadel ohne Mäus, ein alter Pelz ohne Laus, ein alter Bockohne Bart, ein alt Klosterfrau ohne Frömmigkeit.
95. Von eim unzüchtigen Mägdlein.
n meiner Heimat war ein Mägdlein, deren Ruf nicht mehr ganzunversehrt war. Die trieb ein Schwein heim, das ihr Vater zuEhingen auf dem Markt kauft hátt. Auf dem Weg, der durch einWald geht, bate sie ein junger Gesell, ihr Gefährte, sie sollt ein kleineWeil mit ihm rasten; sie aber schlugs ab in der Hoffung, er würdemit seiner Bitt nicht nachgeben. Da sie aber am Ende des Waldssahe, daß er von seinen Bitten ganz und gar abgestanden war, sagetsie:„ Lieber Buhl, daß ich noch der vorigen Red gedenke, wann ich Dirwollt zu Willen sein, wo wollten wir derweil die Sau hinbinden?"Was hernach viele Jahr bei meinen Landsleuten ist im Sprichwortblieben.
W
96. Von eim andern Mägdlein.
þar ein anders, viel jüngers Mägdlein, das beichtet dem Priester,sie wår mit Männern im Heu gewesen. Da fraget sie der Priester:,, Was hastu dort getan?" Antwortet das Mägdlein spottend:„ Puh,Herr, wißt Ihr denn nicht, was die jungen Gesellen mit den Mägdleinim Heu treiben?"
97. Von den Bettlern.
In meinem Büchlein, dem Triumpho Veneris, hab ich geschriebenwider die Bettler und pflege sie auch sonst zu schmähen, da dieseheillosen und unnüßen Leut, die nur dem Müssiggang ergeben sind,die einfältigen Menschen und unkundigen Bauern mit seltsamer Listbetrügen. Solches tu ich, das weiß Gott, der die Herzen kennt, nichtaus Unfrömmigkeit, der ich aus einer sonderlichen Wohltat der Natur
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