scheid der Maßen gewesen sein, daß keiner sollt unehrlich sein, und daßsie beide wohl geredt håtten: dem einen hätte es sich geziemt, nach Brauchder Alten und Vorfahren so zu handeln, als er gehandelt hått, undihm war es nicht verstattet, zu verbieten, was den Alten hátt gefallen;der ander hätt nicht übel geredt, weil einem, der in solchem Handelbetroffen würd, nach bestem und zwar kaiserlichem Rechte auch die Strafan seim Leben gebührete.
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40. Von eim andern Edelmann.
ls ein ander Edelmann sahe die Venediger Legation zu dem KaiserMaximiliano mit großer Pracht und herrlich wohlgezieret bei einerStadt vorüberziehn, saget er:„, wie schändlich ist jeßunder in unsermAdel erkaltet alle Tapferkeit und Tugend unser Vordern, daß dieseVenediger mit so köstlichem Gut und so hübsch bedeckten Pferden sollenso sicher durch unser Vaterland ziehn! Wår ihnen das zu meinenZeiten verstattet gewesen?" Eben derselbig saget zu seinen Söhnen,darum daß sie von Krieg und Räuberei abstunden, sie wären heilloseLeut und zu nichts gutem núß;„ dann", saget er, eh daß ich michin meiner Jugend hått von solchen Sachen enthalten, eh hätt ich einemAbt die Fehd geboten."
41. Ein hübsche Verspottung, warum die Fränkischen dieChristlichsten genennet werden.
ieweil es eines Geschichtsschreibers Amt ist, die geschehnen Dingmit Wahrheit zu schreiben, ob sie gleich auch häßlich seind, habich nicht für unbillig eracht, in eim kurzweiligen Buch Dinge, diewahrlich also geschehen sind, an den Tag zu bringen, wann nur einlächerlicher Poß dabei ist. Vor etlichen Tagen hab ich geschrieben,daß billig der teutsche König und Kaiser der Römer sollt der aller-christlichst genannt werden, und nicht der König von Frankreich, oderdoch nicht allein. Ein Burgunder, der das gelesen hátt, kam in Aachenzu mir und lobet den Eifer, mit dem ich einträte fürs Vaterland.
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