18. Abt Georg von Zwiefalten erzählt von einem Arzten.
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u einem Fürsten war ein Arzt kommen, der sich bei ihm für denin allen Stücken der Arznei trefflichsten Doktorem angab; zu demsaget der Fürst schimpfsweis:„ Ich nimm kein Arzten an, er hättedann zuvor dreißig Menschen getödtet." Antwortet der Arzt:„ Es istnicht weit davon, dann neunundzwanzig hab ich jezund schon begraben."Sprach der Fürst:„ Drum taugst Du nicht zu meinem Arzten, ich be-sorg, ich müßt gar bald der dreißigste werden."
19. Von einer Nonnen.
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ine Klosterfrau, die eben an dem Tag hått mit Männern gesündiget,besprenget sich mit geweiht Wasser, das dann, wie man sagt, dietäglichen Sünden hinwegnimmt, und saget dazu:„ Nimm hinweg meineSünden!" Dann hebet sie ihr Gewand auf, besprizet auch die Teil,die verborgen sind, und schriee gar heftig:„ Da nimm hinweg, da, da,dann die haben am meisten gesündiget."
20. Von der Beicht eines Edelmanns.
Ein Edelmann, der im Sinn hätt zu beichten, drehet immerzu in der
Hand einen Goldgulden um, den er wollt dem Priester schenken.Dieses ersahe ein Pfaff, ging, nach dem Geld begierig, hin zu demMenschen und fraget ihn, ob er etwan beichten wollt; der saget ja.Wie ihn aber der Priester nach der Beicht gefragt hått, ob ihn seinSünden reueten, und ob er sich fürder, so viel ihm die menschlicheSchwachheit das zuließe, vor Sünden zu hüten in Willens hátt, schlugers hartnäckig ab und mußte so ohne Absolution hinziehn. Kam einander Priester, der nicht weniger Durst hått nach dem Gülden, undhöret dem Edelmann die Beicht; wie er aber vermerket, daß er wederBuß wollt tun, noch forthin sein Leben bessern, absolvieret er ihn,auf daß er den Gülden von ihm brächte, doch folgendermaßen:„ DerHerr Jesus Christus absolviere Dich, so er will, und laß Dir nach
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