Druckschrift 
Heinrich Bebels Schwänke. zum l. Male in vollst. Übertr. hrsg. von Albert Wesselski
Entstehung
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die Anfechtungen des bösen Feinds und bis an sein End verharrenwollt als ein guter Christ. Antwortet Biener, es sollt niemand keinZweifel sein, daß er tapfer streiten wollt, als es einem Christen ge-bühret, und er wår bereit zu sterben. Saget der Bruder: Dieweil ichvon allen Menschen sagen hör, wie Du Dich in all Deinem Leben alsein frommen und aufrichtigen Menschen gehalten habest, Du jezt auchbereit bist, dem Willen Gottes gehorsam zu sein, versprich ich Dir undwill Dein Bürg sein, daß Du stracks nach dem Tod wirst in denHimmel fahren." Und so starb der Biener. Der Bruder aber wardam vierten Tag danach eben mit dieser Krankheit behaft und schrieenun Tag und Nacht: O Biener, Du willst mich zu Dir hinaufbringen,auf daß ich Dir Zeugnis gebe. Oder erbärmlichen Bürgschaft, wolltGott, sie war nie geschehn." Hat also diese sein Bürgschaft bis ansein End mit stetem Weinen und Klagen verdammet und ist auch amsechsten Tag danach gestorben.( Aus dem werden wir gelehret, daßwir alles, ehedann wirs uns vornehmen oder verheißen, wohl sollenerwågen, dann uns oft hernach die Sach gereut.)

4. Die Ämter werden nach Gunst verliehen.

ben hab ich nicht unbillig geklagt, wie die geistlichen Pfründenund Stift zum mehrern Teil den Allerungelehrtesten zustehn undnur durch die Gnad der Bischöfe verliehen werden, nicht ohne gemeinÄrgernis und nicht geringe Gefährdung der Seelen. Jezo kann ichbilligerweis beklagen, wie dasselbe auch geschehe bei unsern Fürsten,bei denen die Ämter mehr nach Gunst verliehen werden, denn nachVerdienst, und mehr durch Fürsprach ungelehrter Freunde, denn aus Er-wágung der Sitten und des Wissens, sodaß heutigen Tags Gelehr-samkeit und Wissen schier nichts mehr gilt; darum sag ich jetzt das:Ein gelehrter Mann ward neulich gefraget, wie es doch zuginge, daßtäglich so viel grob Esel mit Pfründen versehn würden, er aber keineerlangen könnt. Da gab er Antwort, die Ungelehrten fånden immerzuFürsten und ander Schußherrn ihresgleichen, daraus dann ein wechsel-seitige Lieb entspringet; er aber könnt seinesgleichen nicht finden, darum

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