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Deutsche Zeitung Bohemia. 30 32.
Vom Tage.
Zentrums entnommen ist:
Sitler und der hl. Franziskus.Unter dem Titel ,, Wohin soll ich ihn sehen?"bringt die Prager Deutsche Presse" folgende¥ 29 Meldung, die augenscheinlich einem Blatt desMit dem üblichen Tam- Tam hatten dieNazi in einem Dorfe in Westfalen eine Wahl-versammlung aufgezogen. Der kleine Saal derDorfkneipe war bis zum letzten Platz mit wiß-begierigen Bandleuten gefüllt, die gespannt war-teten, was ihnen der Nazi- Prophet über dasangekündigte Thema: Bauernparadies im Dritten Reich" sagen würde. Aber ob sich nun derRedner im Thema irrte, oder ob er darübernichts zu sagen wußte, oder ob er den geistigenHorizont der Bauern unterschäßte,-jedenfalls erfuhren die Zuhörer feineswegs, wassie wissen wollten, nämlich wieso und warumihnen im Dritten Reich die gebratenen Tauben
in den Mund fliegen würden. Der Nazi- Redner
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französischer, englischer, spanischer usw. Schwant- Jan Uebertreibungen so reichen Liber confor-bücher Aufnahme gefunden hat.mitatum des Pisaners Bartolommeo heran,Den Anlaß zu ihrer Entstehung haben die die besagt, der hl. Franziskus sei zugleichFranziskaner selber gegeben. So heißt es in der Patriarch, Prophet, Apostel, Määrtyrer, Kirchen-Biographie ihres Ordensstifters, die der hl. lehrer, Bekenner, Jungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag Jungfrau und Engel undBonaventura verfaßt hat, ein Bruder des Ordens gleiche von allen Heiligen dem Gottessohn amhabe, als er mit dem hl. Franziskus in einer meisten, so hat man die Grundlagen dieser harm-Kirche war, in einer Art Traumgesicht das Him- losen Schnurre, deren Erfindung einem Dominimelreich und in diesem neben vielen befekten faner zugeschrieben werden darf.Stühlen einen leeren gesehen; auf seine Frage,wem dieser Stuhl gehöre, habe er die Antwort feineswegs gewogen; das beweisen auch nochDie zwei Bettelorden waren ja einandererhalten:„ Einmal war das, vor seinem Höllen- andere derartige Geschichtchen, von denen aller-sturz, der Stuhl des hoffärtigen Luzifer, aber dings teines eine solche Verbreitung gefundeniezt ist er dem demütigen Franziskus vorbehal- hat, wie das, in dem jetzt Herr Hitler den hl.ten." Zieht man dazu noch jene Stelle aus dem Franziskus ersetzt hat.
a. w.
Untersuchungshaft wegen Wiederholungsgefahr.
Von Dr. R. Traub.
Im Volkssport"- Prozeß wurde die Haft- begründet sei. Wesentlich wird noch hier inberwünschte nur mit viel Spektakel und Kraft entlassung abermals abgelehnt, diesmal wegen Betracht kommen das Motiv der Tat, der be-ausdrücken die anderen" in Grund und Boden Wiederholungsgefahr, weil man nicht vor- sondere an den Tag gelegte dolus, die Ernstlich-und verhimmelte die gottgewollte" Nazi- Bewe- a u ssegen kann, daß sich die poli- keit der Drohung usw. Immerhin müßte abergung. Als er dann über den" Führer" sprach, tische Ansicht und Richtung der doch der Natur der Präventivhaft entsprechendgeriet er in Ekstase:„ Liebe Volksgenossen! Wer Beschuldigten durch ihre Verhaf- tein anderes Mittel geboten oderwird ihn heute nicht fennen?! Wer kennt nichtAdolf Hitler, den Größten der Großen?! Wie tung geändert hätte.zur Hand sein, um der bestimmt drohendensoll ich ihn nennen? Wohin soll ich ihn setzen? In aller Kürze sei aus Mayers Kommentar Gefahr vorzubeugen.Soll ich ihn sehen neben Bismard? Nein höher. zur Strafprozeßordnung mitgeteilt: Es muß dieSoll ich ihn sehen neben Napoleon? Nein, liebe annähernde Gewißheit vorliegen, daß der nächste führung oder Wiederholung eines Verbrechens,Der Haftgrund der Besorgnis vor der Aus-Volksgenossen, höher. Ist sein Platz neben Mus- Schritt des Beschuldigten, wollte man sich nicht den die österreichische Strafprozeßordnung ausfolini, feinem großen Vorbild? Nein, auch da seiner Person versichern, die Wiederholung der dem englischen Recht herübergenommen hat, istist nicht sein Plaz. Volksgenossen, wohin soll ichihn sehenDa erhebt sich in der vollendeten", die Vollendung der versuchten", ein Institut der verstärkten Friedensbürgschaft.ersten Stuhlreihe ein Bauer, nimmt Stock und die Ausführung der angedrohten Tat" sein 3u de r, Untersuchungshaft, vermag es schwerMüze und sagt: Sär Redner, setten Se ehm werde. Nicht genügen kann daher die etwa von zu begreifen, wie man unter dem offenbar be-män upp miehn' Play; ick goah na Hus dem bei begonnener Tat betroffenen Beschuldig- stechenden Eindrucke des korrespondierenden eng( Sehen Sie ihn halt auf meinen Plaz; ich ten in der Hitze der Leidenschaft ausgestoßene lischen Rechtsinstituts, die Verhaftung zum Zwecgeh nach Haus.")Drohung, er werde bei nächster Gelegenheit das der Verhinderung von Delikten statuieren konnte,Auf den ersten Blick muß diese Geschichte den Verbrechen verüben, so lange nicht in der In- ohne zugleich auch in weiterer BefolEindruck machen, daß sie erfunden, und zwar dividualität des Beschuldigten und in den beson- gung des englischen Vorbildes dieschlecht erfunden ist; wenn auch Mussolini für die deren Umständen des Falles diese Drohung eine Sicherheitsleistung mittels Bürgschaft, Pfand-Nationalsozialisten sicherlich ein ganz großer Unterstüßung findet und damit die Gemeinge- jerlag und Kaution als subsi di äres Rechts-Mann ist, über Bismard würden sie ihn doch fährlichkeit feststeht. Eine zu lage Auslegung mittel anzuerkennen. So wurden also englischewohl nicht setzen, und daß sie den Eisernen Kanz- fönnte sonst den hie und da mit anscheinendem Institutionen beiIer gar für geringer als Napoleon erachten wür Recht erhobenen Vorwurf bestärken, daß eigentuns nachgeahmt, undden, darf als ausgeschlossen gelten. Die Geschichte lich jedem Beschuldigten gegenüber diese Gefahrist aber gar nicht erfunden, sondern nur nach-geahmt, and letzten Endes ist sie ein Plagiat einer
Schnurre des schwäbischen Humanisten Heinrich Zehn Wochen unschuldig in Saft.
Bebel, der von 1496 bis zu seinem wahrschein-lich im Jahre 1518 erfolgten Tode als Professoran der Tübinger Universität wirkte, wo unterandern Melanchthon sein Schüler war; in demZweiten Buche seiner erstmalig 1507 oder 1508erschienenen Fazetien weiß er zu berichten:
Wieder eine zusammengebrocheneSpionage- Affäre.
wurde in Teplitz- Schönau der Gastwirt und Kur-Leitmerik, 29. Juli. Am 24. Mai d. J.Ein Minoritenmönch. Martianus mit Na- dacht der Spionage verhaftet. Nach einer überhausbesizer Franz Neumer unter dem Ver-men, der den Heiligen Franziskus seiner Würzehn Wochen währenden Untersuchungshaftdigkeit halber preisen wollte, predigte so:„ Fran- beim Kreisgericht in Leitmerih wurde er endlichzištus, wo willst du ſizen? Bei den Jung-
Der ganze Verdacht ruhte auf der Behaup-
werden sie auch gehandhabt.
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1986
frauen?" Und er antwortete sich selber:„ Nein." gestern freigelassen, weil überhaupt keinWeiter: Franziskus, wo willst du ſizen? Bei sti chhaltiger Beweis erbracht werdenden Bekennern?" Nein." Bei den Mär- tonnte.uchungshaft einleiten lassen und auch gegenthrern?"" Nein." Und wie er seinen Heiligendie Gendarmerie Beschwerde erhoben, weil siesolchermaßen von einem Chor der Heiligen zudem andern führte und feinen Ort für ihn zu tung, daß Neumer sehr oft, tschechische Blätter ohne genügende Begründung sofort die Verhaf=finden schien, stand in der Kirche ein Bauer auf melden über dreißigmal, nach dem Ausland tung vorgenommen habe.und sagte: Wenn du ihn, lieber Vater, nirgends gereist wäre; tatsächlich ist Neumer, wie ausanderswohin sehen kannst, so sehe ihn auf seinem ordnungsgemäß bescheinigten Paß ersicht-meinen Plaz; ich geh ins Wirtshaus." lich ist, im letzten Jahr nur sechs mal inDresden gewesen. Verdächtig erschien auch,daß Neumers Gast- und Kurhaus schon seitvielen Jahrzehnten gern und häufig von reichs-deutschen Gästen aufgesucht wird.
Preßburg, 29. Juli. Die politische Abteilungder Preßburger Polizei hat bei einer FrauFast ebenso erzählt dann ein paar JahreGeldner nach einer Haussuchung um fang-später Luthers großer Gegner Erasmus vonreiche Korrespondenz und photoRotterdam( in dem Ecclesiastes), und in dergraphisches Material beschlagnahmt undFolgezeit gewinnt die Geschichte eine außerordent-die Frau wegen Spionageverdacht verhaftet. Dieliche Verbreitung, da sie nicht nur von dem Neumer hat durch seinen Anwalt Dr. Emil Anzeige wurde von einer Person erstattet, dieDeutschen Burkard Waldis und dem italienischen Margolies- Leitmeriz das Verfahren wegen einen Brief der Frau Geldner an einen Fabrik-Dominikaner Matteo Bandello bearbeitet worden Entschädigung für die zu unrechtlarbeiter der Mineralölfabrik" Apollo" in Preß-ist, sondern auch in einer ganzen Reihe deutscher, erlittene zehnwöchentliche Unter- burg aufgefangen hat.