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Heinrich Bebels Schwänke. zum l. Male in vollst. Übertr. hrsg. von Albert Wesselski
Entstehung
Seite
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Nacht geboren Kålblein bracht, damit mans vor Kålte in Hut hátt.Des Morgens frühe zoge der Gaukler, eh daß jemand von dem Hausvolkwar aufgestanden, hinweg und ließ die Füß, davon die Stiefel abgelöstwaren, in der Stuben liegen. Wie nun der Bauer auch aufstundund, der er nichts wußte, daß der Gaukler hinweg war, das Kalb mitden Füßen allein sahe, stieg ihm der Verdacht auf, daß das Kålbleinden Gast hätte bis auf die Füß weggefressen; wie er mit seinen Nach-barn darob zu Rat ging, befunden sie, daß man das Kålblein sollteverbrennen, dann weil es so jung solches begangen hátt, fürchtetensie, es würde gar erschröckliche Ding anrichten, wann es ein älter würde.Andere sagen mit glaubwürdigerm Zeugnis, daß die Einwohner desganzen Fleckens so hart erschrocken seind, daß sie sich nur gewappnetin das Haus, daraus der Hausvater mit all seinem Gesind geflohensei, zu fallen unterstunden, auf daß sie das wilde Tier erschlügen; unddieweil keiner von ihnen der erste hineinwollt, hielten sie einen Ratund verbrenneten das Haus bis auf den Boden, vermeineten, es wärbesser, daß das Haus verbrennete, denn daß Menschen sollten ihrLeben gefährden.

Ein

145. Von einer scheißend Bäuerin.

edler Reitersmann war einer Bäuerin ansichtig worden, diehinter eim Baum auf dem Felde schiß; da er gedacht, daß siesich vielleicht schämet, schrie er ihr zu: Ei, liebs Fräulein, fahret nurfort in Euerm Werk, dann der Sach kann niemand entraten." Daantwortet das Weib Glossar ::: zum Glossareintrag  Weib, die nun den Leib geleert hått: Ich mag derSach jezt wohl entraten; wann es Dir gefällt, so nimm sie hin mitDir, ich schenk Dirs gerne."

146. Von einem scheißend Bauern.

Sin Pfaff zu Malmsheim im Dorf, der ein scheißenden Bauern

sahe, rief ihn an: Was scheißest Du da?" Saget der Bauer:,, Was hast Du damit zu schaffen? Es kann denn keiner mehr scheißen,ohn daß Du Dein Nas hineinsteckeſt."

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