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Heinrich Bebels Schwänke. zum l. Male in vollst. Übertr. hrsg. von Albert Wesselski
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nachlassen, ward es dem Kaiser anzeigt, der, ob des Handel verwun-dert, befahle, daß man den Bettler sollt einlassen, und ihn fraget, wo-her er sein Bruder wår. Da antwortet der Bettler, alle Menschenwären unter ihnen Brüder von dem ersten Vater Adam, und heischet,daß ihn der Kaiser von dieser Bruderschaft wegen wollte begaben.Der Kaiser gabe dem Menschen, dessen Trotz ihm nicht recht wohl gefiele,nicht mehr denn ein Kreuzer. Saget der Bettler: Es geziemt sichnicht, großmáchtigster Kaiser, daß Du Deinem Bruder so ein schlechteSchenkung gebest, wo Du so reich bist." Sprach der Kaiser: Fortmit Dir! Wann Dir ein jeglicher Bruder so viel gibt, so wirst Dureicher sein, denn ich bin." Ein ander begehret vom Herzog von Sachsenein Pfennig von wegen der Freundschaft, damit sie mit einander ver-wandt wåren; da fraget der Herzog, woher diese Freundschaft káme,und der antwortet: Von Adam, unser aller Vater." Drauf der Herzog:Gang hin! Dann wann ich solch Freunden allen wollt ein Pfenniggeben, würde weder mein Land, noch mein väterlich Erb dazu ge-nugsam sein."

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141. Von einem Theologo, der betrogen ward.

u Mainz war ein trefflicher Theologus, dem auch nebenzu die Seelssorg befohlen war. Dem beichtet ein Gesell, den er für frommund gottesfürchtig ansahe, und zeiget ihm ein großen Zelten Goldes undfaget, wie ers gefunden hätt und, weil er den rechten Herrn nicht wußte,mit seinem Rate zur Erbauung einer Kirchen stiften wollt. Dem Theologogefiel die Sach wohl und er nahm den Zelten zu ihm, auf daß er ihn zuGottes Ehr verwendete. Letztlich beklaget sich aber der ander, er wårein Fremdling gar aus Sachsenland und hätte kein Zehrung, bis daß er insein Heimat, die so weit von dannen låge, káme, begehret darum vondem Theologo, er sollt ihm zehn Gülden leihen, die er ihm bei Treuund Glauben ehrlich wollt wiederum bezahlen. Der gute Vater warwillig, half ihm mit den Gülden und ließ ihn von sich, ging danach zueinem Goldschmied, der ihm Glück zum Kirchenbau wünschet, und zeigetihm das Gold; der Goldschmied bewährets und probierets, und da war

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