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Heinrich Bebels Schwänke. zum l. Male in vollst. Übertr. hrsg. von Albert Wesselski
Entstehung
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ihm der Ochs zugestellt wäre. Da antwortet der Arme, er wäre einGab des heiligen Niklasen, der sich baß freigebiger erzeiget hátt, dennder falsche Jud. Nicht lang danach aber ginge der Jud wieder vordem Haus des Reichen vorbei und fraget, ob ihm die Gans geschmeckthått; da antwortet er, er hätt sie seim Nachbarn, dem Schuhmacher,verkaufet. Wie ihm aber der Jud alle Sachen anzeigt hått, fordert erden armen Schuster vor die Obrigkeit und begehret die zehn Gülden,dann er ihm die Gans und nicht die Gülden hátt verkaufet. Als derRichter aber die Sachen, wie sie verlaufen, vernommen, sprach er denArmen ledig und strafet den andern um zwanzig Gülden, daß er zurSchmach des heiligen Niklasen hátt angerufen den stinkenden Juden.( Mit dieser Histori werden wir gelehret, wie es auch ein Sprichwortist bei den Deutschen: Untreu trifft den eigen Herrn.)

132. Von einem Edelmann und einem Juden.

in Edelmann war einem Juden fünfhundert Gülden schuldig; wieihn nun der Jud von ungefähr hätt in Frankfurt funden beieinem Scherer, ließ er ihn vor den Rat fordern. Sprach der Edel-mann: Magst Du auch warten, bis daß mir der Bart gar abgeschorenwird?" Gern" saget der Jud. Geschwind sprach der Edelmann zumBarbierer: Hör auf zu scheren!" Und er behielte sein Leben langden halben Bart, wie er geschoren war, und ließ ihn nimmer anrühren;dem Juden gab er nichts, dann er ihm selbst den Verzug bewilligt hätte.

133. Was den Menschen grau mache.

ls einer ein Narren fraget, was ihn grau machte, antwortet der:,, Die Haare."

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134. Von dem Abt von St. Gallen.

ie Ratsherrn des Städtleins St. Gallen schrieben dem Abt gleichals eim gemeinen Prälaten. Da sich der Abt dessen beklaget,antworteten sie, er wår allein vormittags ein Fürst, sie aber hätten

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