Notdurft und auch an das Sprichwort der Schwaben, ein gute Mahlzeitwår henkenswert; seßet ihm also vor, sein Armut müßt mit dem Mahlein End nehmen, ginge hin zum Fürsten und verhieß ihm, er wollt ihmden Schatz anzeigen, wann man ihm drei Tag Zeit gebet, die Sach zuerwägen. Der Fürst befahle, den Köhler in einer Kammer zu verwahrenund mit gut Speis und Trank zu versorgen. Wie er aber auf die erſteNacht satt war, saget er:„ Gott wends zum Guten, einer ist schon her-zugangen", meinet also, ein Tag wår nun hin. Stand aber einervon den Dieben vor der Kammer, wollt erfahren, was er tåt; wie derdiese Wort gehöret hátt, lief er behend zu sein Gesellen und zeiget ihnenan, was er gehöret hått. Die ander Nacht ging ein ander herzu zuerfahren, was der Köhler anhebet. Wie nun der Köhler nach gewöhn-lichem Brauch köstlich gessen hátt, saget er wie vor und:„ Der anderist jetzt auch da." Der Dieb lief eilends hin und zeigets den andern an.Und wie die dritte Nacht kommen war, sprach er:„ Jetzt ist auch derdritte und letzte da." Da gingen die drei Dieb freundlich hin zumKöhler, brachten ihm den Schaz, begabten ihn mit herrlicher Schenkungund baten ihn, daß er sie nicht meldete und den gefundenen Schatz demFürsten überlieferte. Wie er ihn ihm zugetragen hått, ward er von ihmauf das allerreichlichst beschenket und, dieweil er lebet, für ein Wahr-sager verehret. Das ist die Gewalt des Glücks, von dem man auch rechtund wahrlich sagt, daß es dem Kühnen ein Gefährte sei und bei großemund verzweifeltem Wagnis mächtigen Beistand leiste.
113. Von einem Franziskanermönch, der ein Klosterfrauengeschwängert hátt.
In
ein Frauenkloster war einmal ein Mönch kommen, der finge, dannsie ihn sehr wohl hielten, statt einer Danksagung an, ihnen vondem Glauben und der Lehr Christi zu predigen; und wie er sie hättmit höchster Wohlredenheit zur Tugend ermahnet, wußten sie ihm keinander Ehr zu erzeigen, denn daß sie ihm in ihr gemeines Schlafhausein Bett bereiteten. Wie es nun aber in die Nacht hineinkame, hobder Bruder an, mit heller Stimm zu rufen:„ Ich tus nicht, ich tus
97