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Heinrich Bebels Schwänke. zum l. Male in vollst. Übertr. hrsg. von Albert Wesselski
Entstehung
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110. Ein Schwank nach Johannes Gerson.

in Edelfrau, die nach Orléans in die Stadt kame und dort vielSchüler sahe, fraget, was sie da tåten; ward ihr geantwort, daßsie die freien Kunst lerneten. Nun fraget sie weiter, was für Künst;ſaget man ihr, das bürgerliche Recht. Fraget sie aber: Zu wasNuz und zu was End? Was werden für Leut daraus werden?"Antwortet man ihr: Auf daß sie Fürsprecher und Scheidleut werdenin weltlich Sachen und Rechten." D, Gott behüt," schrie sie, inmeiner Heimat ist nur ein Fürsprecher, und ist schier das ganze kanddurch sein List und Betrug verderbt worden; was wird dann geschehnmit einer solchen Menge Schüler?"

111. Von der Ursach, warum der Sohn dem Vater nachfolge,die Tochter aber der Mutter vorgehe.

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ann man von den Unsern fragt, was die Ursach sei, daß derSohn dem Vater nachfolgt, die Tochter aber der Mutter vor-geht, so antworten die Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiber weder ungeschickt noch falsch, dieTochter gehe der Mutter darum vor, daß sie der Mutter sicher undgewiß sei, daß sie ihr Kind sei, der Sohn aber trete dem Vater der-halben nach, daß der Vater, wann er vorangeht, zeige, er glaube, daßer sein Sohn sei, und der Sohn müßt von des Zweifels wegen nachherfolgen, weil er etwan durch das Weib Glossar ::: zum Glossareintrag  Weib möcht betrogen werden. Danngewisse Ding stellt man vor die Augen, die ungewissen sieht man vonrückwärts an und nicht mit geradem Blick.

112. Von einem Köhler.

átt ein sehr mächtiger Herr durch Untreu und Diebstahl dreier

große Schenkung dem ausgeboten, der ihm den gestohlen Schatz wiederanzeigete. Nun wohnet aber in dem nahen Wald ein Köhler, der gar großArmut litte. Als dieser nun solche Mår gehöret hått, dacht er an seine

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