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Heinrich Bebels Schwänke. zum l. Male in vollst. Übertr. hrsg. von Albert Wesselski
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losen Leckersbuben und Huren, und sei weiter kein Geschlecht auf Erden,das weniger nach Tugend und guter Handlung frage, daraus sie Ehrerlangen möchten. Als wir neulich in eim Gespräch von der Hoffartdieser Leut redten, saget einer, ein jede Hur sähe gar wohl und scharf.in den Dingen, die an den andern ihrer Zucht schändlich wären undihnen übel anstunden, aber keine besserte sich aus der andern Schand.Ich aber führet den Poeten Juvenalem an, der in der 6. Satyra schreibet,daß sich diese Bestien eher begnügeten an einem Aug, denn an einemMann. Drauf saget ein ander gar furzweilig: Was reden wir viel?Eine Hure begnügt ihr viel weniger an einem Buhlen, denn ein Bettleran einem Haus, der, wann er sein Nahrung erbettlen will, nicht alleinvon Dorf zu Dorf, sondern auch von Haus zu Haus muß mit Klagenherumziehn und weinend begehren." Ein ander beteuert, der PfaffenKinder wären der hoffårtigsten Art und entweder ganz fromm odergar nichts nütz und ganz schlechte Leut. Über das saget wieder einander: Das hab ich durch Erfahrung gelernet, daß die Pfaffen ihrKinder fliehn, dieweil sie klein sind, und sich auch ihrer schämen, wannsie gegenwärtig sind oder nur von ihnen Meldung geschieht. Wannaber die Kinder hinwiederum erwachsen und Männer worden sind,so meiden sie die Våter und hassen ihr schändliche Abkunft, so sichdoch die alten Pfaffen ihretwegen in Stolz übernehmen und sich ihrerin Liebe rühmen."

106. Von einem Mönch, der sein Unvermögenheit beweinet.

Bir hat einer erzählt, was er erlebt hab, da er eim alten Mönchhab im apostolischen Ablaß gebeichtet und bekennet, wie er sichmit Buhlerei mit aller Art Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiber nicht hab gesäumet. Darauf hatder Mönch angehebet gar bitterlich zu weinen, so daß der ander ingroße Betrübnis kommen ist und dafür gehalten hat, er weine um seinergroßen Missetat willen, derhalben er, schier verzagt, nicht gewußt hat,wie ers anfangen oder wo er weiter Rat suchen solle. Zuletzt istder Mönch wieder zu ihm selber kommen und sich getröstet und ge=sprochen: Fürcht Dich nicht, lieber Sohn, sintemal es um Deine Seelen

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