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Heinrich Bebels Schwänke. zum l. Male in vollst. Übertr. hrsg. von Albert Wesselski
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Meß lesen; er aber wollt sichs, wann man ihm nur ein gute Pfründdazu gebet, nicht verdrießen lassen, täglich zwei zu lesen. Wie derselbeneulich seiner Kunst halber ward im Schimpf gelobt, hätt sich einander verheißen, wann all seine Kunst in ein mithridatisch Gift ver-ändert würde, so wollt ers willig und ohne Furcht austrinken. Eswürd aber ein lange Histori daraus, wann ich all sein Handlungordentlich beschreiben wollt.

Jd

103. Von zweien Söhnen eines Pfaffen.

ch fenn ein Pfaffen, dessen Megen ihm geboren hátt zween Söhn.Da saget er scherzweis, wie er ein treue Magd hått, die hätt ihmohn allen Argwohn mögen den einen Sohn unterdrücken und verbergen;aber sie hätte ihm doch all beide geben.

A

104. Ein Histori von einer Jüdin, die für den Messiameine Tochter gebare.

Is ich vor einer Zeit im Böhmerland war, hab ich die Histori ge-höret, ein Christ hátt einem jüdisch Maidlein nachgestellt und sie,wie er sie geschwängert hátt, mit einem mit ihr gehabten Ratschlag vonGefährlichkeit erledigen wollen. Er hat nämlich bei nächtlicher Weil ineiner Verkleidung in ihres Vaters Haus gepoltert und mit erschrock-licher Stimm den Eltern mehr dann einmal verkündiget, ihre Tochterwerde den wahren Messiam gebåren. Die ließen solche Botschaft andie nächst wohnenden Juden gelangen und empfingen den Ratschlag,daß sie es allen Juden weit und breit sollten zu wissen tun. Da nunderhalben die Juden aus allen Landen herbeieileten, gebare sie ein Maid-lein, darüber nicht wenig Schrecken war in ganz Israel.

105. Von den Leckersbuben, Huren und Pfaffenkindern.

st ein gar wahres Sprichwort bei den Unsern, daß kein Geschlecht

In

und von aller Welt Ehr zu empfangen, denn die unnüßen und heil-

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