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Heinrich Bebels Schwänke. zum l. Male in vollst. Übertr. hrsg. von Albert Wesselski
Entstehung
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über viele Staffeln in ein Keller hinab. Seine Gesellen besorgten,daß ihm was widerfahren wår, und hebten ihn auf; er aber sagetfröhlicherweis: ,, wie fein ist es, wenn einer das Abc von vornenund von rückwärts hersagen kann."

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101. Von eim Trunkenen.

Ou Urach war ein Priester von den Chorherrn, mit Namen Alexius,der war nach Lauf des Monds und zu Zeiten nicht recht wißig,sondern im Kopf verruckt. Wie der einmal in St. Amandi Kirchenspát am Abend spazieren ginge, fame zu ihm ein ander gemeiner Dorf-pfaff und bat ihn, er sollt ihn Beicht hören. Alerius saget ja, undder fing an zu beichten, wie er die vorig Nacht bei den Karthäusernin Güterstein so voll war worden, daß er gespien hått. Darüberward Alerius zornig nnd schrie mit heller Stimme: Das Trinkengesegne Dir der Teufel, der absolvier Dich auch." Entdecket also mitseim groß Geschrei allen Menschen des Priesters Trunkenheit, ließ ihnauch unabsolvieret wieder hinziehn.

102. Eine lächerliche Tat eines Tübingers.

ir hätten zu Tübingen ein Einwohner, der mich entgegen derMeinung, die er selber von ihm hátt, nicht gar gelehrt däuchte.Dessen Mutter wollt einmal in einer geweihten Kirchen ein Hennenfangen; da saget er: Laß das jetzt Mutter, dann mich wirst Du nichtzum Gast haben bei der Hennen, die im Schutz der Kirchenfreiheitsteht. Du würdest nur Dich und uns in Angst und Not bringen."Er vermeinet, sie würde im Bann sein, wo sie an der Hennen in derKirchen Hand anleget. Dieses erzählet nachmals seine Mutter ineinem Bad etlichen gut Freunden und saget, wie es ein fein Ding wåre,wann man die Kinder ließ studieren und gute Kunst lernen, dann siewår etwan mit dem Handel in große Gefahr kommen, wo sie nichtihr schrifterfahrener Sohn davor gewarnet hått. Derselbe saget ein-mal zu mir, wie sich die Priester fast beschwerten, daß sie täglich sollten

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