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Heinrich Bebels Schwänke. zum l. Male in vollst. Übertr. hrsg. von Albert Wesselski
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ander scheiden könnt, wie es dann bei den Bauern auf der Kirchweihgeschieht. Ebenderselb kam auf ein Zeit hungrig zu eim Bauern undverhieß ihm, wo er ihm ein köstlich Frühmal aufsetzete, so wollt er ihmzeigen einen Bien- so nennt man dann bei uns den ganzen Schwarmeines einigen Bienenstocks der ihm kein nüß wår, weil er anders-wohin zöget. Der Bauer verwilliget es und rüstet sich, nachdem siegessen hätten, mit mancherlei Werkzeug und Geschirr, die Bienen dasmit zu fassen. Da der Leckersbub solches sahe, sprach er: Es bedarfnicht so viel Wesens." Und wie sie nun in das Feld waren hinaus-kommen und vergebens hin und wider gangen, saget der Bauer: Ichglaub, ich sei betrogen." Mein", antwortet der Faßmann ,,, wahrlichnicht, auf diesen Blümlein hab ich heut einen ſizen sehn; hab aucynicht von mehr gesagt." Ließ also den betrogenen Bauern wiederheimziehn.

94. Ein Histori von Graf Philippen von Ravenstein undKunzen von der Rosen, die aus der Schlacht waren flüchtig worden.

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n der Schlacht, darin Maximilian, noch Erzherzog in Österreichund Burgund, mit großer Niederlag und Vertilgung vieler Tausendseiner Feind mit sieghafter Hand hátt geschlagen den König derFranzosen, Ludwig, den Vater des kropfigen Königs Caroli, bei St.Therouanne in Flandern, hátt er nicht großen Schaden empfangen,denn nur an den jungen kranken Knechten, Weibern Glossar ::: zum Glossareintrag  Weibern und Pfaffen;die waren von den französischen Reitern, so ab einer andern Straßenwaren in unser Lager gefallen, bei siebenhundert auf ein Hauflein erwürgetworden bis auf etlich wenig gemeine Mezzen( eine Tat, deren sich jederChrist müßt schämen, wie denn erst der Allerchristlichste). Da warenunter unserm Haufen etliche Reiter, die aus der Schlacht wichen undmit Fliehn ihr Leben wollten retten, sonderlich aber flohe gar eilendsGraf Philipp von Ravenstein mit allen Fähnlein, deren Hauptmanner war, ob aus Furcht oder von Verräterei wegen, weiß ich nicht;und mit ihm war auch Kunz von der Rosen, der von seiner Schwänkund guten Possen wegen jego angenehm und wert ist bei Kaiser

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