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Heinrich Bebels Schwänke. zum l. Male in vollst. Übertr. hrsg. von Albert Wesselski
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Kaufmann willig, ginge hinweg und tát das Leder auf; wie er abersahe, daß es schlecht Ding war, ging er flugs hin, suchet und fandeden Gesellen wieder und sprach, er hätt ihn betrogen, und wo er ihmdie zehn Gülden nicht wiedergåb, so wollt er ihn henken lassen. DerBetrüger antwortet: Warum hast Du dann lügenhaft und trüglichgesagt, es sei Dein?" Und erwischet ihn bei der Hand: Kommmit mir zum Vogt, da wollen wir sehn, wer ehrlicher sei!" Da zogeder Kaufmann sein Hand hinter sich, ließ ab von der Klag und wichvon dannen. Es soll die Geschicht wahr sein, wie mir gesagt hatBernhard Hüßlin.

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84. Von dem großen Jahr Platonis.

wei Philosophaster kehreten in ein Herberg ein, da der Wirt einalt und kurzweiliger Mann war; und wie sie des Abends unterdem Trinken von den Meinungen der Philosophen disputiert hätten,sonderlich von dem großen Jahr Platonis, wie sie nach dreißigtausendJahr wieder bei demselben Wirt in dieselbe Herberg zukehren würden,baten sie letztlich den Alten, er wollt dieweil mit der Bezahlung stillhalten, wann sie würden wieder kommen, so sollt er die Zech von ihnenempfangen. Darauf antwortet der Wirt fein schimpflich: In dem ver-schienen Jahr, nämlich vor dreißigtausend Jahren, seid Ihr auch dasgewesen, habt ein Zeche getan, und sie ist noch nicht bezahlt: die beszahlt mir vorab! So will ich mit der Bezahlung von der heutigen aufdas künftig Jahr warten."

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85. Von zween Bettlern.

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ween Bettler zankten mit einander so heftig, daß einer den anderneinen Lügner schalte. Der stellet sich mit Worten und der Faust,als wollt er dreinschlagen dann bei den Teutschen gilt das Lügenfür ein groß faster, sonderlich bei den Männern- und saget: ,, HeißestDu mich lügen?" Dieser fürchtet die Streich, leugnet derhalb, er háttes nicht geredt. Als aber der ander nicht nachlassen wollt und immer

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