hinsißen können, stund ein Bauer auf:„ Wann Du ihn, lieber Vater,nicht anderswo kannst hinsetzen, so set ihn an mein Statt; dann ichwill zum Wirt hingehn." Hått der gute Bauer ein Verdruß, daß erso ein langes Wesen mit des Heiligen Hinseßen machet. Sagetauch ein ander: Fürwahr mich dauert die Armseligkeit des so heiligenund guten Vaters, daß er so lang stehn sollt, wann seine Nachfolgerin so viel Jahren keine Statt funden haben, wo sie ihn hinseßenfónnten."
82. Von eim andern.
in ander prediget wohlberedt von den Schrecken des jüngsten Ge-richts, wie nämlich alle Menschen würden im Tal Josaphatzusammenkommen, und der Himmel würde leer stehn, wie auch allevor dem Stuhl des höchsten Richters mit höchster Furcht müßtenerwarten den Bescheid ihres ungewissen Wegs. Dieweil trat ThomasDrechsler, der mir wohl bekannt ist, hinein in die Kirchen; wie er erhöretvon dem Unterschied der Wege und der Seligkeit, ging er strackswieder hinaus und saget:„ lieber Vater, ich will Euerm Spruchwegen des Wegs, den man wählen sollt, beitreten; ich geh nämlichjego zum Wirt und will dieweil ein halb Maß Wein trinken, bis daß Ihrschlüssig seid, wo man hingehn oder bleiben solle."
83. Von einem Betrüger.
In der Meß zu Frankfurt hätt ein böser Lecker Blei und ander
Edelding wäre, und es danach in Angesicht eines reichen Kaufmannsund noch vieler Menschen heimlich von ihm geworfen, bald wiederaufgehoben und gefragt, ob irgend jemand in einer solchen Meng denPack verloren hátt; geschwind trat der unredlich Kaufmann hinzu undbeteuert beständig, es wär sein. Drauf der Betrüger:„ Ist es aucheine edele Sach, wie es dann von außen scheint?" Und da der Kauf-mann bejahet, saget der Betrüger wieder:„ Du sollst es von mir nieempfangen, Du schenkest mir denn zehn Gülden." Die gab ihm der
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