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Heinrich Bebels Schwänke. zum l. Male in vollst. Übertr. hrsg. von Albert Wesselski
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wie wohl ein unwürdiger." Drauf saget der Kostnißer: So Dubist ein solcher Mann, ziemts sich fürwahr nicht, daß Du zu unterstsolltest sißen", und hieß ihn zu ihm hinaufrücken. Das sag ich vonderer wegen, die etwan in kleinen Ämtlein seind, nichts desto minderaber nicht wollen, daß ihre Herrlichkeit den Leuten unbekannt bleibe;Ehr und Gewalt will nicht verborgen sein, ob sie sich gleichwohl zuSpott machen.

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29. Von einem Bürgermeister.

ar auf ein Zeit ein Bürgermeister von Hechingen zu Rotten-burg am Neckar in einer Zech, und niemand wollt ihn, wie esihn gedauchte, mit gebürlicher Ehrerbietung seines Titels anreden;dann er war ein Schuster, Bürger eines kleinen Städtleins und wedervon wegen seiner Weis noch der Gestalt der Person halber ansehnlich.Endlich versuchet ers selbst, sich zu erkennen zu geben und saget, wieihm ein sehr guter Wein vorgesetzt ward: Ein solchen Wein hab ichgehabt, wie man mich jetzt jüngst verschienen zu einem Bürgermeister er-wählt hat." Als er aber nun, wie der Wein seine Wirkung anhebet,mit seinen Leuten ein widerwärtig Geschrei verführet, ward er gestraftvon einem Spieler, der neben saß, er sollt dieses båurischen Geschreisabstehn. Das nahm er hoch für übel, fing an, mit dem Spieler zuschelten, er dürfet ihn gar nicht verachten. Fraget der Spieler: Werbist Du dann?" Antwortet er: Ich bin Bürgermeister zu Hechingen."Drauf der Spieler: Hahaha, da bist Du wahrlich ein unverständigund ungezogen Bürgermeister! Und wann Du sagtest, Du wärest einSchweinemeister, so würd es jedermann gern glauben."

30. Von eim andern.

ar ein ander Bürgermeister eines kleinen und schlechten Fleckens;

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gewaschen wår, antwortet er: Ich weißs fürwahr nicht, dann unsereiner hat ander Sachen zu bedenken." Vermeinet, er wår ein in ein

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