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Heinrich Bebels Schwänke. zum l. Male in vollst. Übertr. hrsg. von Albert Wesselski
Entstehung
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70. Von derselben Art.

in Bauer in demselben Gebirg dörret, wie es der Brauch ist, seinHeu an der Sonnen, auf daß ers könnte trocken in den Stadelbringen; indem aber kam ein Plazregen und machet sein Arbeit zuSchanden. Da saget er:" O gütiger Gott, ich bitt Dich, laß nichtzu, daß Dich niemand mehr liebe, so Du es also weitertreibst." Glaubetdann, Gott sollt achthaben auf sein Heu.

71. Von einem Kaufmann und einem Edelmann.

Ich bin neulich in einer Zech gewesen, darin wir uns mit gar kurz-

mann, der spottet eines Kaufmanns, daß er oft hinauszöge in fremdeLande und sein Weib Glossar ::: zum Glossareintrag  Weib dieweil daheim ließe in der Stadt, wo doch eingroße Meng schöner, junger Gesellen wår, wie er also mit viel Sorggeängstigt wurde, daß sie nicht dieweil neben den Weg treten möchte.Mit den Edelleuten hått es viel ein besser Gestalt, deren Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiber dieweilmüßten in den Schlössern bleiben, abgesondert von den Leuten. Daraufantwortet der Kaufmann gar höflich: Verzeiht mir, bitt ich, und laßtmich auch ein wenig mit Euch schwänken. Ihr wißt, wie bei uns dasSprichwort ist: Der Adel ist ungestalt und die Häßlichkeit folgt ihmauf der Fersen; der Bürger Kinder sind aber schöner." Als der Edel-mann solches zugabe, sprach wieder der Kaufmann: In Abwesen derer,so in Städten wohnen, kommen die schönsten Gesellen zu ihren Weibern Glossar ::: zum Glossareintrag  Weibern,derhalben die auch schöne Kindlein bringen; aber in Abwesen der Edel-leut werden dieweil Euere Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiber von Köch und Stallbuben versehn,davon danach solch Ungestalt herkommt." Also ist die Sach mit Lachenund Scherzen beendiget worden.

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72. Eine Histori von eim Juden.

ie Herzoge von Sachsen hätten ein Juden, der vieler Ding großWissen trug, drum sie ihm auch viel Wohltaten erzeigeten; siebeslissen sich auch mit großem Anhalten, ihn von dem Unglauben der

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