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Heinrich Bebels Schwänke. zum l. Male in vollst. Übertr. hrsg. von Albert Wesselski
Entstehung
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wohn des Ehebruchs kommen, mit dem Laster er alle bezichtiget, dieseinem Heiligtum nicht opferten.

65. Von eim Stazionierer.

in ander von denen, die die Unsern Stazionierer nennen, zoge dieKohlen herfür, die er anstatt des gestohlenen Heiligtums fande,und saget, es wären dieselben, mit denen man Sankt Lorenz verbrennethátt. So groß ist die Schalkheit dieser Leut, die sich vor keinerLügen scheuen.

66. Eine Histori.

Ich hab gehört, wie neulich zwischen einem Pfarrer und einemBauern sei ein Zank gewesen; dann der Bauer war dem Pfarrerabhold und saget, er hätte ein Esel, der wår verständiger denn der Pfarrer,item, er håtte in seinem Haus das Himmelreich oder die Höll, wie erswollet, item, Gott tåt alles, was er wollet. Über solcher Red ist derBauer von dem Pfarrer verklagt worden vor dem Schultheiß des Dorfsals ein Gottloser, der von dem Glauben nicht recht hielte, ihn schmäheteund sonderlich, daß er sein Esel weiser und vernünftiger scházetedenn ihn. Und wie der Bauer also öffentlich verklagt war, ist erauch sich zu entschuldigen zugelassen worden und hat sich also beschüßt: Ich hab recht und wohl geredt, daß mein Esel verständiger sei dennder Pfarrer, dann er trinkt nur so viel, daß er kann allein heim-schleichen; der Pfarrer aber füllt sich mit so viel Wein, daß er nichtgehn, auch sein eigen Haus nicht kennen kann, wie Ihr dann, HerrnRichter, mit eigner Erfahrung gelernt habt und mein überflüssigeZeugen seid. Zum andern, so tut Gott alles, was ich will, dannwas Gott tut, das will ich und sollte auch wollen und achts als dasbest. Zum letzten hab ich Vater und Mutter, die nun alt sind; so ichsie gottseliglich und wohl halte, auch fleißig ernähre, kann ich michohn allen Zweifel des Himmels trösten, wie mich dann solches dieheiligen Båter lehren. Wo ich sie aber übel halte, so hab ich entgegengewiß die Höllen." Für das vierte, saget er, er hätte hundert Gulden

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