Druckschrift 
Heinrich Bebels Schwänke. zum l. Male in vollst. Übertr. hrsg. von Albert Wesselski
Entstehung
Seite
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59. Von einem Priester.

in Priester, so mir wohl bekannt ist, mit Namen Fysilin, war bestellt vondenen von Dornstetten, zu sammeln das Almosen für die BruderschaftSt. Sebastians, den sie andächtig ehren; den fraget einer, was seinjährlich Besoldung war, und er antwortet: Zwanzig Gülden." Dasaget ein ander, das war sehr wenig. Drauf wieder Fysilin: Essind der Nutzbarkeit der Menschen mancherlei, dann was mir geschenktwird, und was ich heiß mitgehn, ist auch mein; dazu ist St. Sebastianein gut Gesell: was ich immer für ein Teilung zwischen mir undihm mache, so läßt ere gut sein und schweigt dazu."

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60. Von demselben.

is derselb auf ein Zeit zu einem Wirtshaus zukehret, sahe er denWirt in ein Kachel des Ofens brunzen; fraget er, warum er daståt. Antwortet der Wirt, darum, daß er morgen würde ausziehn. Baldaber der Wirt hinwegginge, schiß Fysilin hinter den Ofen. Wie derWirt wieder fame und den greulichen Gestank schmecket, fraget er ihn,warum er geschissen hátt. Antwortet Fysilin: Dieweil Du morgenhinwegwillst, hast Du in den Rachel brunzt und fein acht gehabt aufdie Zier des Haus; ich aber, der ich noch heut hinweg will, hab gargeschissen, auf daß ich das Haus noch baß stinkender verließ."

61. Von demselben.

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erſelbe kam auf ein Zeit zu unserm Fürſten, dem Barteten, undbegehret von ihm eine Pfrúnd. Der Fürst, der unwillig war aufihn von seiner Leichtfertigkeit wegen, saget: Wann meiner Pfrúndentausend ledig wären, so wollt ich Dir nicht die mindest verleihn." Draufantwortet Fysilin unverzagt und von ungefähr: Und wann ich auchtausendmal Meß låse, so wollt ich Dein darin nimmer gedenken, nochfür Dein Heil bitten."

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