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Heinrich Bebels Schwänke. zum l. Male in vollst. Übertr. hrsg. von Albert Wesselski
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Weis, dann diese Farb wird nicht zur Anzeigung der Trauer, sondernvielmehr der Freud gebraucht." Dieser Red lachten alle aus der Maßen,der Wirt aber schämet sich in Bauerneinfalt ein wenigs und saget: Es ist wohl wahr, aber es ist mir in dem roten Bart ebenso leid, alsein anderm in einem schwarzen."

42. Von etlichen einfältigen Bauern.

ah bei meiner Heimat ist ein Bauerndorf, Mundingen genennet,da sagt man, daß die sonderlich einfältigen Bauern daheim seind.Einer von ihnen war auf ein Zeit gen Ehingen auf den Markt zogen,und im Heimziehn hört er an der Mark zween Kuckuck gegen einanderrufen, und der ein war im Mundinger Wald, und der ander im Walddes nächsten Dorfs. Und da ihn gedäucht, der Kuckuck in diesem Waldschriee heller und lauter, denn der im Mundinger Wald, ließ er dasRoß, drauf er geritten war, stehn, stieg auf ein Baum und halfseinem Kuckuck kucken; dieweil zerriß ihm aber ein Wolf das Pferd.Wie der Bauer heimkame, klaget ers seinen Nachbarn, wie er in dem,daß er von gemeinem Nuß und Ehr wegen seinen Kuckuck hátt geholfen,in den großen Schaden wår kommen; darauf vergalten sie ihm seinenSchaden einmütiglich aus des Dorfs Kosten, dann sie meinten, es wårunbillig, daß einer, der zur Erhaltung gemeiner Wohlfart und gutenNamens Mühe gehabt hätte, sollt um das Seine kommen.

43. Von denselben.

is dieselben Bauern einen Flurſchüßen hätten, der ihre Frücht aufden Äckern verwahrete, hielten sies für übel, daß er ihnen dieFrucht mit den Füßen durchtråte. Drum beschlossen sie mit einander,daß ihn ihrer vier auf Stecken und einer Schwingen sollten tragen;dann sie verstunden nicht, daß vier mehr Schadens tåten denn einer.Diese Tat wird von ihnen gesagt und ander dergleichen, die wir mitder Zeit den Nachkommen wollen an Tag geben.

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