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Heinrich Bebels Schwänke. zum l. Male in vollst. Übertr. hrsg. von Albert Wesselski
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wort heißt; darum sollst Du Dich gar nicht bekümmern lassen. Sietun gleich als der Fuchs, der, da er mit seim Schwanz an den Baumschlug, vermeinet, es sollten Birn herabfallen; als er aber vergeblichgeschlagen hått, dann es fiel keine herab, sprach er:, wie bittersind diese Birn, ich hátt feine essen mögen." Da saget ein ander,derselbe Fuchs war auf ein Zeit einem Esel etliche tausend Schrittnachgangen und hätt gewartet, wann ihm würden sein Hoden herab-fallen, die immerzu danach aussahen; da er aber vermerket, daß seinHoffnung eitel war, sprach er: D, wie schwarz und stinkend sind sie,ich hätt sie nimmer essen können." Also geschieht es: kein Gelehrterund kein Weiser hat weder Poeterei noch andere gute Kunst je veracht,sondern allein denen sind sie schwarz und verächtlich, die nichts gelesenund gelernt haben, denen die Natur nicht vergönnt hat, daß sie etwastrefflichs sollten sehn und erkennen. Denen aber mißgónn ich ihrUnwissenheit gar nicht.

AT

32. Von eim Gaukler.

Is ein Gaukler bei der Nacht etliche Dieb in seinem Haus erwischthått, saget er zu ihnen: Ich weiß nicht, was Ihr hier bei derNacht finden wollt, wo ich am hellichtem Tag nichts finden kann."

33. Von einem, der ein Roß kaufet.

iner, der ein Roß kaufet, fraget den Täuscher, ob es auch gesundwåre; saget der Tauscher, es wäre gesund. Da fraget er weiter,warum ers verkaufet; antwortet der, daß es zuviel fresset, und ers, danner arm wår, nur schwer ernähren könnte. Und als der Käufer dieander Mängel forschet, antwortet der Verkäufer, es hätt kein andernMangel, weder daß es nicht auf die Bäum stiege. Wie nun der Käuferheimzoge, sah er, daß das Roß jedermann beißen wollt; da saget er: Es ist wahr, daß es viel frißt." Und als er danach kame zu einerhölzern Brücken, konnt ers nicht über die Brücken bringen; da befand erauch, daß es nicht auf Bäume stiege.

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