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Heinrich Bebels Schwänke. zum l. Male in vollst. Übertr. hrsg. von Albert Wesselski
Entstehung
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Schrift strafen? Sehet mein Brevier!" Die sahen außer dem Breviernoch die Dummheit des Menschen und lobten seinen Fleiß über dieMaßen.

29. Ein Fabel von einer Ehebrecherin.

in Bauer hätt ein Weib Glossar ::: zum Glossareintrag  Weib, die unzüchtig und mit viel hurischenStücken berüchtigt war; das verdroß den Mann gar übel, und erflagets seinem Schwäher, dabei er sich vernehmen ließ, er wollt sievon ihm verstoßen. Der Schwäher tröstet sein Tochtermann: LaßDirs nicht so hart zu Herzen gehn, laß sie ihre Sitten und Art gebrauchenein Zeit lang. Einmal wird sie schon zur Scham und Keuschheit ge-trieben werden, wie ihr Mutter, mein Weib Glossar ::: zum Glossareintrag  Weib, die auch in ihrer Jugendsonderlich solchen Lastern unterworfen gewesen ist; iezzo aber, da siealt worden, ist sie die allerkeuschest. Also ist auch der Tochter halberdie best Hoffnung."

30. Von einem Lollhart.

ir haben neulich gesehn einen Begharden oder kollhart als Wald-

Wir

er wår ein sonderlich heiliger Mann. Da ist einer von den Unsern,der dann all diesen Brüderlein wenig Heiligkeit zurechnet, aufgestandenund hat gesagt: Woraus könnt ihr abnehmen sein Heiligkeit? Etwanaus dem langen Bart? Nicht also, Ihr einfältigen Gesellen; dann soder lange Bart Frömmigkeit machet, wår der Bock am allerfrómmsten."

31. Von den Verächtern der Poeterei.

iner von meinen Schülern hátt mir neulich anzeigt, daß ihn sehrviele hasseten, weil er ergeben wäre der Lernung der freien Künsten.Da fraget ich, ob die, so ihn hassen, auch gelehrt wären, und er sagetnein, es wären grob Leut, die der Musen und Grazien kein Acht hätten.Darauf saget ich: Weißt Du nicht, daß die Kunst keinerlei anderFeind hat, denn die, so sie nicht können, wie es im alten Sprich-

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