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Heinrich Bebels Schwänke. zum l. Male in vollst. Übertr. hrsg. von Albert Wesselski
Entstehung
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Wi

22. Ein Spruch des Herrn Bernhard Rek.

ir haben einmal disputiert von den Orden und Ständen derMenschen, wie sie gar weit von ihren Sagungen und der From-migkeit der Alten abgewichen seien. Wie da etliche sagten, daß dieBauern in größerer Unverdorbenheit lebten denn jede ander Art Menschen,seßet Herr Leonhard Res, mein Wirt, dazu, ihn däuchte, die Badhalterwåren die allerfromsten, weil sie die Wärme im Bad den Armen ingleichem Maß als den Reichen zuteileten.

Kor

23. Ein merkwürdig Spruch.

Donrad aus Weil hat auf ein Zeit an einem Wohlleben zu mir gesagt,er wolle mit dem Schwert den Tod eines Freundes an seinemMörder råchen, der, da er neulich ein junges Weib Glossar ::: zum Glossareintrag  Weib genommen habe,ein großer Eiferer sei. Da saget ich: Ach laß ihn leben, dann erlebt ihm selbst zu seiner Pein. Es ist Dir viel baß geraten, daß erzehn Jahr in der höchsten Kümmernis und steten Sorgen lebe, denndaß er im Augenblick sein Schmerzen ende. Dann der trágt ein garschweres Kreuz, der ein eifernder und argwöhnisch Ehmann ist."

K

24. Ein lustige That eines Kriegsmanns von Tübingen.

Jonrad Bühel von Tübingen, der Befehlshaber über einen der Heer-haufen, die der Kaiser Maximilian ins Ungarland ausgerüstet hat,war ein beherzter und redlicher Mann. Als der einmal im Lager rück-lings im Stroh lag und sich auch keiner Fährlichkeit besorget, kamein ander Kriegsmann hinzu, dem Konrad auf ein Zeit ein Unbill be-wiesen hått; und da ihn der auf den Rücken liegend fande, saget er zuihm nach teutschem Edelmut und Herzhaftigkeit: Wenn Du nichtlágest, so wollt ich Dich mit meinem Schwert durchbohren." Darauf fragetKonrad: Willst Du mich nicht verlegen, es sei denn, ich stehe und seizur Wehr bereit?" Als dieser das bewilligt hått, dann er achtet es fürschändlich, einen nicht mannlich angreifen oder wehrlos tóten, so saget

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