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Heinrich Bebels Schwänke. zum l. Male in vollst. Übertr. hrsg. von Albert Wesselski
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wart von dem Herrn begerten, er sollt ihnen ein andern Priesterverordnen, da begehret Wendelin flugs, man sollt ihm andere Bauerngeben, dann er könnte sie ebensowenig ertragen, als sie ihn. Und daer von ihnen angeklagt ward, daß er so selten Meß leset, antworteter, er that es darum, daß es die Bauern, die so nahe dabei stünden,wenn er Meß leset, nicht lernen könnten, dann sie ihm sonst endlichsein Vortel nåhmen. Und als sie wieder klagten, daß er selten da-heim wäre und allezeit außerhalb åße, hat er geantwortet, auch dieMáus waren in seinem Brotkorb gestorben, derhalben ihn kein Gescheidterbereden wird, daheim zu bleiben.

19. Ein Fabel von einem Schneider.

in hinkender Schneider ist zu der Himmelspforten kommen undhat von Sankt Peter begehret, er soll ihn hineinlassen; das hatihm aber Sankt Peter abgeschlagen von sein vielfältigen Diebstahlswegen, den er vollbracht hätt, wie es der Schneider Brauch wär.Der Schneider aber bitt um Barmherzigkeit, er könne vor lauter Müdenicht weitergehn und verheißt, er wollt sich hinterm Ofen druckenund die schlechtest Arbeit ausrichten, und das hat er zuletzt mit großerBitt erlangt. Als danach auf ein Zeit der himmlisch Gebieter mitdem ganzen himmlischen Heer von Kurzweil wegen hinaus in einGarten außerhalb des Himmels gangen ist, so ist der Schneider alleinblieben, der, als er in Abwesen des Herrn und aller Knecht alleGelegenheit besichtigt hátt, endlich auch zu der Sißstatt des höchstenKönigs kommen ist, von dannen er alles, so die Menschen begingen,sehn hat können. Da ward er gewahr, wie ein altes Weib Glossar ::: zum Glossareintrag  Weib einerandern, die bei einem fließend Bächlein wusch, heimlich Kleider stahle;darob unwillig, dann er an sich selbst erfunden hått, wie eine großeSünde das Stehlen wäre, erwischet er den Fußschemel unter seinenFüßen und warf damit nach der alten Diebin. Wie aber der obersteKonig wiederkam und des Fußschemels mangelte, fraget er, wer ihndannen getan hátt, und kam endlich an den Schneider, zu dem er,da er die Ursach vernommen hátt, saget: Sohn, wann ich gleich

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