Druckschrift 
1: Volkserotik und Pflanzenwelt : eine Darstellung alter wie moderner, erotischer und sexueller Gebräuche, Vergleiche, Benennungen, Sprichwörter, Redewendungen, Rätsel, Volkslieder, erotischen Zaubers und Aberglaubens, sexueller Heilkunde, die sich auf Pflanzen beziehen. 1.
Entstehung
Halle a. S. [ca. 1908]
Seite
3
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Vorbemerkungen.

Der Geschlechtstrieb ist der gewaltigste und vorzüg-lichste aller Triebe der Natur und der Menschenwelt. Erdurchflutet das All der Natur wie das All der Menschheitheute wie ehemals. Freilich offenbarte er sich in derMenschenwelt in grauen Vorzeiten drastischer, deutlicher,nackter und- phantasievoller, heute dagegen ,, verfeinerter",verhüllter, doch seine Stärke ist ungebrochen.

Er offenbarte sich phantasievoller. Das, was zu ge-wissen Zeiten ganz allein das Sinnen und Trachten desUr- und Natur- Menschen erfüllte, übertrug er in unge-messener Freiheit und Zügellosigkeit vermöge seiner leiden-schaftlichen und uneingeschränkten Vorstellungskraft aufdie ihn ringsumgebende Welt, auf die Gestirne des Himmels,auf Wolken, Wind und Gewitter, auf die Tiere, auf diePflanzen, die Steine, auf Erde und Wasser, ringsum saher den gewaltigen Urtrieb zu lieben bezw. zu zeugen. Ersah ihn überall in seiner, in ihm, dem Menschen selbst, zuTage tretenden Form und Gestalt.

Wir haben es hier nur mit den Pflanzen zu tun, wie derNaturmensch sich mit den Pflanzen noch völlig eins fühlte,sie als ihm gleiche Wesen erfaßte, seinen Geschlechtstriebauf sie übertrug, ihren vermeintlichen Geschlechtstriebfür den seinen dienstbar zu machen suchte. Freilich hatdieser große erotische Trieb, der die Pflanzenwelt umspann,im Laufe der Jahrhunderte und Jahrtausende mannigfacheNüancierungen erfahren, ja andere Formen angenommen.Das wird im Vorliegenden gezeigt werden.

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