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Volkskunde in Österreich : Bausteine zu Geschichte, Methoden und Themenfeldern einer Ethnologia Austriaca
Entstehung
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Vom Volkslied zum, Evergreen"

wichtiger Bereich. Erzherzog Johanns Anregungen sind unübersehbar.Anton Ritter von Spaun( 1790-1849), Syndicus der oberösterreichischenStände, der sich als Literatur- und Kulturhistoriker verstand, verfaßte1843 den ersten Überblick über Wesen und Begriff des Volksliedes undwidmete die 1845 aus seinen eigenen Sammlungen zusammengestelltenÖsterreichischen Volksweisen sowohl Erzherzog Johann, wie allenDeutschen"( beide Widmungen sind in der 3. Auflage 1882 zum großenBedauern Pommers weggefallen!( vgl. Das deutsche Volkslied 10, 1908,21f.)). Der aus der Breslauer Germanistenschule kommende SchlesierKarl Weinhold( 1823-1901), Mitglied des Historischen Vereins für Stei-ermark, wurde in Graz 1858 von Erzherzog Johann persönlich mit derSammlung steirischer Volkslieder betraut. Ebenfalls aus Schlesien stammteAnton Schlossar( 1849-1942), Rechtswissenschaftler und Vorstand derUniversitäts- Bibliothek in Graz, der auf zahlreichen ForschungsfahrtenVolksliedsammler besuchte, aus deren Sammlungen abschrieb und auchselbst Gewährsleute befragte( Suppan 1970, 83). Sein jüngerer WienerKollege, Rudolf Wolkan( 1860-1927), Vizedirektor der dortigen Uni-versitätsbibliothek, veröffentlichte die ersten historischen Dokumentezum Volkslied in Wien. Und auch in Innsbruck war es der Direktor derUniversitätsbibliothek, nämlich Ludwig von Hörmann( 1837-1924), derdort die erste größere Volksliedsammlung herausgab. Ihm folgte der Histo-riker und Germanist Joseph Eduard Wackernell( 1850-1920), Inhaber desLehrstuhls für Sprachen- und Literaturgeschichte in Innsbruck. In Salzburgwurde Maria Vinzenz Süß( 1802-1868), Gründer und erster Direktor desSalzburger Museums Carolino Augusteum, zum ersten Herausgeber einerkulturhistorisch orientierten Volksliedsammlung. In Kärnten sammelte derJurist und spätere Hofrat in der Gewerbeinspektion, Valentin Pogatschnig( 1840-1917) gemeinsam mit dem Volkswirtschaftler und späteren Sek-tionsrat im Handelsministerium( und Erfinder der Postkarte!), EmanuelHermann; leider nur Texte.

Eine gewisse Fortsetzung der Erzherzog Johann'schen Anregung anallerhöchster Stelle kam vom Kronprinzen Rudolf, der das sogenannte Kronprinzenwerk, die Österreichisch- Ungarische Monarchie in Wortund Bild erstellen ließ, in deren Bänden Volksmusik, Volkslied undVolkstanz jeweils berücksichtigt wurden. In all diesen Kronländern unddarüber hinaus waren österreichische Beamte und Wissenschaftler unter-wegs. Die von ihnen erstellten Sammlungen wurden nach dem Zerfall derMonarchie nicht mehr in die Geschichtsschreibung der öster- reichischenVolksmusikforschung miteinbezogen. Erst heute, in einem zusammen-wachsenden Europa, besinnt man sich auch von Österreich aus wieder

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