Vom Heiligenbild zum Fernsehprediger
auf die„, Gefahren“ hin, welche die Volksfrömmigkeit nach Meinung derGlaubenskongregation„ auf Abwege führen können“.„ Sie darf, liest manin Kapitel 12,„ auf keinen Fall Rituale der Magie, des Aberglaubens, desSpiritismus, der Rachsucht annehmen oder sich mit Sexualität verbinden.“Die Volksfrömmigkeit sei„ zu evangelisieren“. Historische Ursprüngeund charakteristische Lehrmeinungen müßten erkennbar bleiben. Nichteinmal in anderen Ländern übliche Andachtsformen sollte man ohneweiteres übernehmen.
Das Direktorium richtet sich universalkirchlich an Bischöfe, Ordensobe-re und Rektoren von Wallfahrtsstätten, die der lateinischen Kirche desRömischen Ritus angehören. Sie sollten die Begegnung zwischen Chri-sten verschiedener Bekenntnisse im Gebet fördern, in Ausnahmefällenkönne sich die Aufmerksamkeit auch auf Mitglieder anderer Religionenausdehnen( Nr. 277). Angesichts von Pluralismus, Meinungs- und Reli-gionsfreiheit und dem weiten Feld der Esoterik erscheinen solche Über-legungen anachronistisch. Angesichts der Verfasser und der Zielgruppedes Direktoriums aber wird ihr Wunsch verständlich, den„, wahren Schatzdes Volkes Gottes“( Nr. 9) in die Amtskirche einzubringen. Für sie ist,, Volksfrömmigkeit“ traditioneller Art auch im 21. Jahrhundert ein Thema.Ethnologen wie Christoph Daxelmüller hatten sie schon 20 Jahre früherals„ Un- Begriff“ klassifiziert. Der Blick über die Fachgrenzen lohnt sichtrotzdem.
Impulse aus anderen Disziplinen
„ Blicke von draußen und nach draußen“ betitelt Wolfgang Kaschubain seiner Einführung in die Europäische Ethnologie das Kapitel überinterdisziplinäre Kooperationen. Dabei nennt er u. a. Stadtethnologie,Religiositätsforschung, Lebensstilforschung und Psychologie( Kaschuba1999, 103-106). Liturgiewissenschaft, Religionssoziologie, Sozial- undWirtschaftsgeschichte- beschäftigen sich seit Jahren mit den Fragestel-lungen der Frömmigkeitsforschung.
1985 veranstaltete die Liturgische Kommission für Österreich in Salzburgdas Symposion ,, Liturgische Spiritualität und Volksfrömmigkeit“. Es sollteeinerseits klären,„, wie volksnah heute die Liturgie ist“, andererseits dasSpannungsfeld zwischen Liturgie und Volksfrömmigkeit abstecken“.Darüber hinaus suchte man nach tatsächlichen und möglichen Verbin-dungen der beiden Pole. Auch im folgenden Jahrzehnt blieb das Themaaktuell. 1993 stand das Symposion unter dem Thema„ Die fünfzig Tage.Festzeit von Ostern bis Pfingsten“. Neben theologischen Überlegungen
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