Helga Maria Wolf
novativen oder innovativen Tendenzen begangen. Doch das Monopolder Amtskirche blieb nicht unangetastet, bestenfalls ist die Institutionzum Marktführer geworden. In Deutschland kann man sich zum pro-fessionellen, überkonfessionellen Ritenbegleiter ausbilden lassen. DieFreien Theologen bieten Zeremonien für„ Lebensfeste aller Art“ an.Die Profis wollen ihren Klienten Entlastung, Befreiung von lästigenKonventionen und Entfaltung der Kreativität bieten. Aus dem Fundustraditioneller Elemente wird gemeinsam ausgewählt, weggelassen undweiterentwickelt, was individuell angemessen erscheint.„, Sie bestimmenselbst, ob der Ritus weltlich oder religiös gestaltet wird. Im Mittel-punkt stehen Sie und Ihre Gäste“, liest man auf der Homepage www.freietheologen.de.
Megatrend Respiritualisierung
„ Die Sehnsucht boomt“ zitiert der Wiener Theologe und Religionssoziolo-ge Paul Zulehner den Journalisten Günter Nenning. Zur Zeit laufe als Folgeder Säkularisierung und des mit ihr sich ausbreitenden Lebensdesigns einMegatrend der Respiritualisierung.„ Je moderner, desto säkularer, destoreligionsproduktiver“ faßt der in Wien lebende deutsche TrendforscherMatthias Horx den Trend zu„ Glauben light“ zusammen( Horx 1998,100-129). Das eigene Leben, so Zulehner, werde als„ letzte Gelegenheit"aufgefasst. In diesem suche man maßloses Glück in mäßiger Zeit. Dasmache Leben heute hastig, an- und überfordernd, geprägt von der laten-ten Angst zu kurz zu kommen und deshalb entsolidarisierend. Menschenantworteten auf diese Art des Lebens entweder durch Eskapismus( Dro-gen, Sekten...) oder Respiritualisierung. Letztere sieht der Theologe alsAufstand gegen die Banalität und als Widerstand gegen den wachsendenZugriff des Menschen auf den Menschen. Respiritualisierung bezeichnet erals Gegengewicht zur Selbstentfremdung( Suche nach dem Ich: Exodus insEgo, Zu sich kommen) angesichts der kosmischen Vereinsamung( Suchenach Verwobenheit: Vernetzung, Gemeinschaft als Teil eines kosmisch-pantheisierenden Ganzen) in einer Kultur, die krank macht( Suche nachHeilung durch Rituale),„ inmitten einer Kultur der Hinrichtung“( Suchenach einer Kultur der Liebe). Bei seinen religionssoziologischen Forschun-gen fand Prof. Zulehner in Österreich vier religiöse Haupttypen: Christen( 27%), Religionskomponisten( 26%), naturalistische Humanisten( 30%)und Atheisierende( 13%). Die Zahlen für Wien zeigen noch stärker die
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