Vom Bauern zum Landschaftspfleger
Aufhebung des Untertanenverhältnisses und zur Grundentlastung. Mit derErlaubnis des freien Grundverkehrs und der Verschuldbarkeit des Besitzes,1868, trat eine wachsende Verschul- dung der Bauern ein.
In diese Zeit fällt nach Fielhauer der Beginn einer„ frühwissenschaftli-chen" Volkskunde( Fielhauer 1987, 361ff). Den Aufklärern war es um dieVerwaltbarkeit des Volkes zu tun:
,, es ging[...] zuallererst um die Registrierung von Ressourcen für ein nochnicht in Frage gestelltes System des Staatshaushaltes und erst in der Folge umdie, Not des Volkes'[...]"( Fielhauer 1987, 363).
Ihr Interesse richtete sich auch auf Kleidung, Nahrung, Wohnen sowieGesundheit und gibt damit erstmals einen volkskundlichen Kanon zurmateriellen Kultur vor. Österreich war zur Zeit des aufgeklärten Absolu-tismus durchwegs agrarisch strukturiert. Zwangsläufig verschiebt sich soder, Blick aufs Volk' zum, Blick auf die ländliche Bevölkerung'.
Die Lage der Bauern und der Landwirtschaft allerdings veränderte sich.Im 19. Jahrhundert entstand jene Agrarstruktur, die heute sowohl Selbst-als auch Fremdbild der Bauern prägt. Durch Einführung von Kleebau,Sommerstallfütterung und dem Anbau von zusätzlichen arbeitsintensivenKulturen wie Kartoffeln und Rüben stieg der Bedarf an landwirtschaft-lichen Arbeitskräften( vgl. Bruckmüller 1985, 296f). Zu dieser Zeitentwickelte sich die Gesindehierarchie auf Bauernhöfen, wie sie nochbis vor dem Zweiten Weltkrieg bestand( vgl. Aigner 1992). Viehhal- tungwurde nun im großen Maßstab betrieben. Diese verlangte ebenfalls einspezialisiertes Gesinde( vgl. Liebl 1991). Zudem setzte der Prozeß der„ Agrarisierung“ ein: Bis 1800 war es üblich gewesen, Landwirtschaft alsErwerbskombination mit Holzwirtschaft, Köhlerei oder Textilproduktionzu betreiben. Diesbezügliche Möglichkeiten wurden mit Einführung neuerTechniken etwa in Verhüttung und Textilproduktion stark eingeschränkt.Die Bauern, die nur Landwirtschaft betreiben, wie man sie sich alsoheute klassisch vorstellt, gibt es eignetlich erst im 19. Jahrhundert( vgl.Bruckmüller 1985, 299f).
Verändert haben sich in dieser Zeit die Produktionsformen in der Land-wirtschaft: eine Produktions- und auch Arbeitsintensivierung durch neuePflanzen; die Veränderung in der Viehhaltung durch die Sommerstallfüt-terung; die spezialisierteren Züchtungen bei Pflanzen und Tieren, die amEnde des 20. Jahrhunderts in die radikale Bedrohung durch Genmanipu-lation und Vereinnahmung des Genmaterials durch Konzerne und damiteiner Einschränkung der Artenvielfalt mündet; politische Vertretungender Bauern entstehen ebenso wie bäuerliche Genossenschaften. Die Me-
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