Similar Colours? Bekleidungskultur: Forschung, Sinn und Sache
Rahmen der Kulturgeschichte an der Universität für angewandte Kunst inWien institutionalisiert( Buxbaum 1986; Bönsch 1998). Auch internationalist sie meist mit den Museen und Schulen des Kunstgewerbes verbun-den, hat auf der Kostümseite einen traditionellen Hang zur Theater- undFilmgeschichte und verfügt in den Metropolen über eigenständige- teilsnoch im Entstehen begriffene- Museen( vgl. Rasche 1996). Von hier ausbewegt sie sich zuletzt in Richtung der neuen Kulturwissenschaften( vgl.Roche 1994).
,, Volkskundliche Fragen zur Kleidung zielen nicht primär auf die Inhalteder wechselnden Moden[...], auch nicht grundsätzlich auf das Systemder Mode[...], sondern vielmehr auf die Praxis des Sich- Kleidens",lautet der optimistische Definitionsversuch in einem empfehlenswertenEinführungstext zu den Forschungsfeldern„ Kleidung und Mode“( Jäger1992, 289). Doch die Spezifik volkskundlicher Kleidungsforschung lagin der Vergangenheit an der dieser Disziplin eigenen Neigung, Fach undGegenstand in eins fließen zu lassen, das heißt: Das forschende Interessean den sogenannten Volkstrachten verschmolz mit einem ästhetischenAnliegen, das analytische mit einem politisch- pädagogischen. Volkskund-ler haben über Jahrzehnte ihre Trachtenforschung weniger betrieben alsgelebt. Keiner hat dies in biographischen Notizen so offenherzig( undhumorvoll) geschildert wie Franz C. Lipp, der von seinen„ rosenfarbenenJahren berichtet:
,, Ich habe so manche dieser erlesenen, schon vor Generationen verwendeten,dann‘ abgekommenen' und schließlich beim Händler gelandeten Seidentüchererworben und aufgetragen und Freude damit gehabt wie ein Kind mit einemfarbenbunten Osterei"( Lipp 1993, 64).
Dies ist ein noch heute auf den weiten Feldern der ethnographischen Mittenachwirkendes Phänomen- Problem sollte es eigentlich keines sein. Dennumgekehrt trägt der Autor seit langen Jahren vornehmlich Jeans einerbestimmten Marke und eines bestimmten Schnittes, ohne sich mit demVorwurf des Folklorismus konfrontiert zu sehen. Wie ja auch dem dieArbeiterkultur erforschenden Kollegen niemand die Fähigkeit zu Refle-xion und Analyse absprechen wird, nur weil er bei Manchesterhosen undLederjacke geblieben ist. Anders gesagt: Das Leiden an der Fachgeschichtebefreit nicht von der Frage nach den Sinnzusammenhängen von Kleidenund Forschen in der Moderne.
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