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Volkskunde in Österreich : Bausteine zu Geschichte, Methoden und Themenfeldern einer Ethnologia Austriaca
Entstehung
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Vom Dorf zur Stadt

,, ihre besonderen Pflichten in culturhistorischer, historischer, geographischer,naturhistorischer, landwirtschaftlicher, gewerblicher, nationaler, national-ökonomischer, politischer, linguistischer, sanitärer und socialer Hinsicht zuerfüllen. Sie muß dem Landmanne das Leben seiner Voreltern im Bilde zeigen,ihm Verständnis für die modernen Verhältnisse erschließen. Dem Gewerbe-treibenden, dem Industriellen, dem Kaufmann und dem Handelsmann ist sieein wertvolles Nachschlagebuch, dem Bürger eine lehrreiche interessanteLectüre, dem Priester, dem Arzte und dem Soldaten biete sie manchen Fin-gerzeig, dem Lehrer ist sie ein Hilfsbuch, der Jugend ein Spiegelbild derVergangenheit und ein getreues Abbild der Gegenwart, dem Gelehrten nichtnur ein Volksbuch, sondern ein Buch, das die gebürende Beachtung vor demTribunal der Wissenschaft und Kunst für sich selbst beansprucht, jedem etwas,allen alles"( Vrbka 1893, 4).

Eine Orts- und Heimatkunde sollte demnach eine umfassende Darstellungregionaler Kultur darstellen, eingebettet in naturräumliche Gegebenheiten.Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert wurden Dorfchroniken regelrechtzur Modeerscheinung. Vornehmlich Lehrer und Pfarrer waren es, die der-artige Orts- und Heimatgeschichten verfaßten, um den Schülerinnen undSchülern ihr Dorf kulturhistorisch näherzubringen. In diesem pädagogischmotivierten Zusammenhang sind auch die frühen Bezirkschroniken Wienszu sehen, die ebenfalls hauptsächlich von Lehrern bzw. Lehrergemein-schaften verfaßt wurden( vgl. etwa Dorn, 1928).

4. Frühe soziologische Großstadtforschung

Das 19. Jahrhundert gilt als das Jahrhundert der Industrialisierung undder Metropolenbildung. Die Ausbildung eines modernen, großstädtischenLebensstils war die Folge von Urbanisierung und wirtschaftlicher Ent-wicklung. Glanzvolle Metropolen wie Paris, London, Berlin, Budapestoder Wien wurden zum Inbegriff von Luxus und Wohlstand. Die moderneUrbanität spiegelte sich in den architektonischen Leistungen und infra-strukturellen Rahmenbedingungen wie Straßenbau, öffentlicher Verkehr,Versorgung oder Pressewesen in den Großstädten wider. Walter Benja-mins Streifzüge im Paris der gewagten Stahlkonstruktionen und Passagenläßt die kulturhistorische Leitidee einer ganzen Epoche nachvollziehbarerscheinen.( Benjamin 1982). An der Entwicklung der Einwohnerzahlenkann der europaweite Prozeß der Urbanisierung eindrucksvoll nachvoll-zogen werden. Die Bevölkerungszahl Londons etwa wuchs im Laufe des19. Jahrhunderts von 850 000 auf 5 Millionen, die von Paris in ähnlichemAusmaß( Sennett 1983, 75). Die Einwohnerzahl Wiens stieg von 378 000im Jahr 1830 auf 1 700 000 im Jahr 1900, und erreichte 1910 den bislang

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