Johann Verhovsek
oder„, Heimkehr zu W. H. Riehl"( Koren 1951, 786). Er hat offensichtlichden regressiven Charakter der theoretischen Entwicklung im Fach erkannt,wirkt aber wie gefangen von dem emotional gesteigerten Weltbild Riehls,das dem Anspruch des Naturgemäßen und Unbewußt- Vitalen folgt, als auchdie organologische Vorstellung vom zeitlosen Volkstum stützt( Zinnecker1996, 320f.). Es wäre daher unrichtig, diese Art der Volkslebensforschungmit der schwedischen ethnologischen Schule der„ Folklivsforskning" inVerbindung zu bringen, die richtungsweisende soziale und ökonomischeAusrichtungen in die Forschung einbrachte, aber erst einige Jahre nachdem zweiten Weltkrieg im deutschsprachigen Raum ansatzweise rezipiertwurde( Weber- Kellermann/ Bimmer 1985, 99-101).
Vom ,, Volksleben“ zur demokratischen
Kulturgeschichtsschreibung
Dem Volkslebens- Konzept folgten in den 50er und 60er Jahren keineVersuche neuen Inhalts, den Standort und Gegenstand, die Ziele undAufgaben des Faches übergreifend festzulegen. Die vereinzelten strit-tigen Punkte der Nachkriegszeit schienen geglättet, die Positionen derführenden Fachvertreter gefestigt. Mit der Einrichtung einer ordentlichen,, Lehrkanzel für österreichische und europäische Volkskunde" unter derLeitung Richard Wolframs 1963 in Wien( Bockhorn 1994c, 620) existiertendrei universitäre Ausbildungsstätten für das Fach. Der Wiederaufbau derVolkskunde war demnach gelungen und mit den traditionellen Methodender Datenerhebung und-analyse begann eine Zeit des intensiven Sammelnsund Beschreibens der Äußerungen des Volkslebens. Die Fachvertreteragierten in den zahlreichen Kanon- bereichen des Faches als Spezialistenfür Bauernhäuser, Möbel, Trachten, Speisen, Brauch, Volksglaube, Volks-spiel und-tanz, Sage und Märchen und vieles mehr, als stünden diese,, autonomisierten Teilsysteme”( Bausinger 1969, 236) ohne besonderenBezug zum Gesamtfach. Auch Querverbindungen zwischen den Spartenwurden nur selten hergestellt. Die detaillierte Aufnahme, Beschreibungund Typologisierung der untersuchten kulturellen Objektivationen er-folgte zumeist ohne Konnex zum Sitz im Leben der Menschen. DenStoffsammlungen lag offenbar die Überzeugung zugrunde, daß sie durchpermanente Anhäufung irgendwann einen Grad der Sättigung erreichen,
2 Nach Rolf Lindner wird von der„ kognitiven Identität“ eines Faches gesprochen,„ wennnach den Paradigmen, Problemstellungen und Forschungsmethoden gefragt wird, die demFach Einzigartigkeit und Kohärenz verleihen“( Lindner 1987, 1).
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