Volkskunde in Österreich nach 1945
nahmen“ als„, Bundesamt für Volkskunde[...] die gesamte Sammelarbeitund Bewahrung der Archivstoffe zu organisieren unternehmen müßte“( Schmidt 1948, 6). Konsequenterweise hatte L. Schmidt bereits anläẞlichder Neugründung des Österreichischen Volksliedwerkes dessen Etablie-rung im Österreichischen Museum für Volkskunde geplant, nachdem hierbereits für einige Zeit die Volksliedarchive für Niederösterreich und Wienuntergebracht worden waren( Schmidt 1947a, 169). Dies wäre eine Zusam-menführung gewesen, die gut zu dem Vorsatz gepaßt hätte, das genannteZentralarchiv„ hauptsächlich der Ergänzung der Sachgüter des Museumsdurch die geistigen Volksüberlieferungen“ zu widmen( Schmidt, 1954), wiedies Schmidt nach dem Vorbild des„ Nordiska museets arkiv for folksedoch folktro" in Stockholm intendierte. Nachdem sich diese Fusionsplänezerschlagen hatten, mußte man sich mit hauseigenen Umfragen nachArt des Torso gebliebenen„ Burgenland- Atlas"( Schmidt 1961a),„ diedas Sachgut des Museums kartographisch verstehen lassen sollten“, undmit der Aufarbeitung„ allmählich angesammelten, aber nie geordnetenZeitungs- Ausschnitt- Materials"( Schmidt 1960, 100) begnügen. Letzteressollte rund zwei Jahrzehnte später eine der Arbeitsgrundlagen des vonSchmidt als„, wirklichem Mitglied“ an der Österreichischen Akademieder Wissenschaften durchgesetzten Instituts für Gegenwartsvolkskunde( Beitl 1986) werden, das sich u. a. die Aufgabe gestellt hatte, ein öster-reichisches wissenschaftliches Zeitungsarchiv nach deutschem Vorbild zubegründen( Beitl 1988). Mit der Auflösung dieser Einrichtung im Jahre1992 wurde zwar das„ Archiv der österreichischen Volkskunde“ als derenNachfolgeinstitution zumindest verbal wieder aktualisiert( Beitl 1993, 47),tatsächlich jedoch scheint mit diesem„ empfindlichen Terrainverlust fürdas Fach Volkskunde“( ebd.) einer„ sammelnden und sichtenden“ Doku-mentation zur„ Gegenwartsvolkskunde“ – zu der sich die Schmidt'sche„ Überlieferungskunde“ unter Beachtung auch rezenter Kulturphänomenegemausert hatte( Schmidt 1976) – fürs erste der Boden entzogen und zu-gleich der Versuch endgültig gescheitert zu sein, Fachgeschichte aus derPerspektive der Wiener Laudongasse zu schreiben.
Die Person Leopold Schmidts wird hier im übrigen nicht wiederholtbemüht, um dessen hegemonialen Intentionen posthum in fachhistorischverzerrender Perspektive nachzugeben, sondern weil von ihm bzw.dem von ihm geleiteten Verein – der übrigens per Statut Fachleute undsogenannte„ Laienforscher“ gleichermaßen zusammenführen und dieVolkskunde einer breiteren Öffentlichkeit nahebringen sollte- so man-cher, wenngleich oft erst später, anderorts und von anderen Protagonisten
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